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Palästina · 1932-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1932) · p. Seite 354

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1932)
Article
Das wirtschaftliche Leben der Beduinen
Date
1932-10-01
Page
Seite 354 (sequence 3)
Language
German
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Jahr weiden muß* ohne etwas anderes zu füttern, ebenso werden weder Kosten für Stall noch für Amortisation veranschlagt. Die Einnahmen der Beduinen für Mais (hauptsächlich wächst dieser in Hule, nicht im Djolan) beläuft sich auf 4.5 pal. Pfund per Feddan und das ist der Lohn für eine Arbeit durch 6 bis 7 Monate. Und wenn man den Scheich fragt, wie ein Mensch davon leben soll, wird er ruhig antworten: Warum soll das dem Beduinen für ein Jahr nicht genug sein? Er hat da und dort ein paar Lämmer und Ziegen und sein Jahr fließt dahin ohne Mühe und Sorgen. So sind die Verhältnisse bei allen Stämmen, die in Zelten leben. Viehzucht. Die Tieraufzucht nimmt einen wichtigen Platz in dem Lebensunterhalt der Beduinen ein, doch ist zu bemerken, daß auch hiefür nicht viel aufgewendet wird und ihm daher die Schafe netto nicht mehr tragen als dem jüdischen Hirten. In der jüdischen Wirtschaft rechnet man die Kosten für ein Schaf mit 2.5 Pfund. Die Wartung, Ernährung usw. kostet 1.5 Pfund, die Einnahmen (Milch mit 13 Mil per Liter, Wolle mit 2 Mil per Kilogramm gerechnet), betragen 2 Pfund, daher Gewinn 0.5 Pfun|d per Jahr, bei 2.5 Pfund Investitionskosten. Der Beduine führt keine detaillierte Rechnung, er arbeitet nach Tradition. Heute verlangt jede Erzeugung rationelles Vorgehen, um einen Erwerbszweig lukrativ zu gestalten, wie die oben mitgeteilten Zahlen der jüdischen Wirtschaft zeigen. Aber die Investierungen und die Ausgaben der Beduinen sind auch bei der Viehwirtschaft klein. Er gibt nichts aus für Geräte, Krankheitspflege usw. Der Lohn des Hirten ist gering. Aber auch die Einnahmen sind geringer als bei den Juden. Per Saldo ist, wie gesagt, keine große Differenz. Aber in der Arbeitsintensität und den Lebejissbedingungen von Hirt und Herder ist der Unterschied groß. Bei den Beduinen wird für ein Schaf 2.070 Pfund investiert (Juden 2.5 Pfund) die Kosten der Aufzucht sind 220 Mil (Juden 1.5 Pfund). Die Einnahmen sind 780 Mil (Juden 2 Pfund). Der Reingewinn ist 560 Mil (Juden 500 Mil) und wenn der Beduine seine Herde verpachtet, 460 Mil. Der Hirte ist in seiner Arbeit wie einies der Schafe oder Esel der Herde. Er hat keine andere Familie, als die Tiere. Bei Tag urtd Nacht ist er mit ihnen beisammen. Er hat keine Ruhe, ist immer draußen, bei Tag in der Hitze, bei Nacht in der Kälte, bei Wind, Schnee, Hagel, Reif, Regengüssen, bleibt er durchnäßt draußen unter dem Himmelsdach. Selbst die Kleidung, die er vom Herdenbesitzer erhält, ist nicht die Hauptsache für ihn, diese ist nur |der Lohn: zwei Lämmer, welche er am Schluß des Jahres erhält. Dieser Lohn summiert sich im Laufe der Jahre so, daß er eine Frau kaufen kann. Die Verantwortung bei Uebernahme der Herde zur Weide wächst im Laufe des Jahres: die Angst vor den fortwährenden Diebstählen, die mit Lebensge«- fahr verbunden sind un(d den Verefadungen, doch gehen diese auf Rechnung des Herdenbesitzers. So auch, wenn Räuber die ganze Herde stehlen, falls der Hirte ohne Waffe gewesen ist. War er aber bewaffnet und unverletzt, so wird er erbarmungslos verurteilt und findet keine Gnade. Der Beduine weiß zu sparen und seine Bedürfnisse seinen Einnahmen anzupassen. Nehmen wir z. B. die Ausgaben wie folgt an: Eine Familie: Mann> Frau, zwei Kinder 30 Stück Milchvieh. Außer den häuslichen Produkten — Milch, Leben (Sauermilch) in der Melkperiode — haben sie „Semneh" (ge-

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