Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Das wirtschaftliche Leben der Beduinen
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 355 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379900-2379906-2396132--14180-2396395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schmolzen« Butter, aus der das Kasein entfernjt wurde) und „Lebaniah'* (Leben, an der Sonne getrocknet) durch das ganze Jahr. Außerdem werden gebraucht 40 bis 50 Maß Mais für Brot, Kosten 2.5 Pfund, 6.5 Maß Weizen für Brot für Gäste 1 Pfund, Kaffee 1 Pfund, Kleider, Schuhe 2 Pfund, Tabak, Zigaretten 1 Pfund, Verschiedenes 1 Pfund, zusammen 8.5 Pfund. Die Summe erlöst er durch Verkauf von Lämmern und der Semneh, und das Haupt der Familie ist jeder Sorge ui^d Arbeit ledig. An einem Feste, oidey um Gäste zu ehren, schlachtet er zwei Lämmer von der Herde. Die Frauen melken und arbeiten während der Wanderonjg. Wenn die Erntezeit für Weizen und Mais kommt, haben die Beduinen das Recht der Nachlese und das genügt für einige Monate. Die Zucht von Pferden, Esel, Kühen, macht dem Beduinen keine Ausgaben, da sie das ganze Jahr auf den Feldern und Bergen,« weiden. In dem Ausgabenbudget der Beduinen der Wüste oder Transjordaniens figurieren noch besondere Ausgaben für Waffen und Kugeln. Die Ausgaben einer kinderreichen und vornehmeren Familie sind natürlich für Nahrung, Kleider, Gäste, größer. Trotzdem gibt es Familien, die noch weniger ausgeben, als oben bereejb.net, wenn sie keine 30 Stück Milchvieh, odetf nur einige Ziegen und Schafe haben. Trotzdem hungert der Beduine nicht!, denn die freundschaftliche Hilfe ist groß mn|d wer friedlich bittet, wlfrd nicht ohne Nahrung abziehen. Die Summen, welche die obersten und vornehmsten Scheichs ausgeben, gehen in die tausende Pfund. In ihren Zelten versammeln sich immer beim schwarzen Kaffee zahlreiche Menschen. Jeden Tag gibt es Gastmähler, und zahlreich sind die Diener, Köche usw. Die ständigen Reisen der Scheichs in die Stadt, die prächtigen Waffen, Kleider, Pferde usw., all das verursacht große Aus^ gaben, und wenn die Stämme diese nicht tragen können, verschulden sie sich schwer. Der Scheich oder Emir eines Stammes erhält, wie oben erwähnt, eine Steuer vom Vieh und vom Ackerbau der Stammesangehörigen. Außer dieser Steuer erhält er bei jeder Hochzeit 5 bis 10 Pfund von der Mitgift, er legt überdies dem Stamm auch besondere Abgaben auf. Dies erregt oft Widerstand und Unwillen, da heute der Scheich nicht mehr so angesehen ist wie früher. Heute ist er nur mehr eine Last und in kurzer Zeit wird er nur mehr der Vollstrecker der Gebote der Behörden sein und kein Recht haben, seinen Stamm zu belasten. Rundschau POLITIK. Von Spectator, Jerusalem. Der Stand der arabisch-jüdischen Frage. Wir haben unsere letzte Uebersicht in Heft 5/7 dieses Jahrganges mit einem Hinweis auf die immer dringlichere Notwendigkeit geschlossen, Schritte für die Lösung der zentralen politischen und wirtschaftspolitischen Probleme Palästinas einzuleiten. In den verflossenen fünf Monaten ist jedoch wiederum