Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Beth Chanan
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 341 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Außer den Wirtschaftsgebäuden wurden bereits auch öffentliche Gebäude im Moschaw errichtet: die Schule (vom „Keren Ezrah") und ein Ambulatorium, Baracken für das Siedlungskomitee und die Konsumgenossenschaft. Der Moschaw besitzt ein Lastauto zu Transpartzwecken. Im ganzen hat jetzt Beth Chanan zirka 160 Einwohner (in der Schule 40 Kinder), darunter auch HandV werker, Arzt, Lehrer, Wächter usw. Der Aufbau der Siedlung war i,n einer verhältnismäßig kurzen Zeit vollzogen und entsprach dem vorgeschriebenen Plan. Augenblicklich besitzt jeder Siedler die nötigen Gebäude, einen Hühnerstall mit Geflügel, die meisten auch ein bis zwei Kühe. Gleichzeitig beginnt aber für die Siedlung und die Siedler die schwere und kritische Uebergangsperiode, die erst mit der Fruchtbarkeit der Pardessim beendet sein wird. Bisher zogen die Siedler ihren Unterhalt aus den Bau- und Pflanzungsarbeiten, die sie selbst ausführten. Mit dem Abschluß dieser Arbeiten muß sich ider Siedler nach anderen Einnahmequellen umsehen, und zwar muß er sie hauptsächlich innerhalb seiner Wirtschaft selbst suchen. Ein Teil der notwendigen Jahreseinnahmen ist zwar durch das Betriebskapital und die Deckung der Spesen der Pardessbearbeitung gesichert, die im Jahresbudget eingeschlossen sind. Aber diese Summe genügt nicht zum vollen Unterhalt der Familie, besonders nachdem die allgemeinen Ausgaben des Moschaw sehr hoch sind. Ausgaben für Erziehung, ärztliche Hilfe, Bewachung, Buchhaltung usw. belasten die Siedlung besonders schwer, solange sie so klein ist. Mit ihrer Erweiterung bis zur vollen Siedlerzahl (80 Familien) wird die Last kleiner werden, aber vorläufig müssen die 40 Familien die hohen Ausgaben voll tragen. Einen weiteren Teil der Einnahmen verdienen sich die Siedler als Lohnarbeiter in den Pardessim von Privaten und Gesellschaften in der Umgegend. Aber diese Arbeiten sind nicht immer vorhanden und sind auch zumeist an Saisonen gebunden. W^e-ran sich der Siedle» also von den Schwankungen des Arbeitsmarktes befreien und seine Existenz fest basieren will, dann muß er alle Möglichkeiten ausnützen, die in seiner eigenen Wirtschaft vorhanden sind. In erster Reihe kommt die intensive Entwicklung der Hauswirtschaft in Frage. Diesen Weg hat auch der Moschaw eingeschlagen. Selbstverständlich entwickeln sich die verschiedenen Zweige nicht gleichmäßig bei allen Siedlern. Jeder führt die Wirtschaft seinen individuellen Neigungen entsprechend: einige geben sich besonders mit Wein- und Obstbau ab (einen Dunam Weingarten bekommt im nächsten Jahr jeder Siedler in einem Stück Land, das freigebUeben ist, da es sich für Oranjgen nicht eignet, hingegen für Weinbau gut ist), andere mit Gemüsebau oder Geflügelzucht und Viehhaltung. Hier ist aber ein neues Problem aufgetaucht: Geflügel und Milchvieh sind, unter den jetzigen Verhältnissen im Lande nur. dann rentabel, wenn das Futter in der Wirtschaft selbst erzeugt wird. Wenn es von auswärts bezogen werden soll, dann bleibt fast keine Einnahme für den Siedler übrig. Auch für diese Frage sucht der Moschaw eine Lösung. Ein Teil des Futters kann von den bewässerten Feldern gewonnen werden* tUm aber die Futterfläche zu erweitern, übergab die Kolonisationsabteilung der Jewish Agency dem Moschaw 600 Dunam vom benachbarten Sumpfboden für ein'ige Jahre zur Bearbeitung. Die Siedler wollen diese Fläche gemeinsam in kleinen Gruppen bearbeiten. In diesem Jahr haben bereits zwei Gruppen *mit der Bestellung angefangen und viel Arbeit und Mühe hineingesteckt. Der Boden erwies s'idh als sehr fruchtbar und brachte eine schöne Futterernte.