Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina im Jahre 1931
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 328 (sequence 3)
- Language
- German
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328 beiden Gruppen sowie auf die Hilfe, die sie vom Ausland erhalten (Jewish Agency, Missionen) zurückzuführen ist. Drei Viertel der palästinensischen Bevölkerung aber, die Mohammedaner, die nur auf die Unterstützung der Regierung angewiesen sind, sind schulisch in völlig unzureichender Weise versorgt: von rund 150.000 schulpflichtigen moslemischen Kindern erhalten nur 30.000 einen einigermaßen geordneten Unterricht. Wie schädlich dieser Umstand für die Entwicklung des Landes ist, bedarf keiner Worte. Wer den Glauben an die sittliche Wirkung der Erziehung noch nicht verloren hat, wird mit Besorgnis in die Zukunft eines Landes blicken, in dem die Zahl der Analphabeten nicht nur nicht konstant bleibt, sondern stetig wächst! Wer einen Blick auf die Kriminalstatistik Palästinas wirft, stellt mit Schrecken fest, daß die Mohammedaner, und vor allem die Jugendlichen, weit mehr Verbrecher stellen als ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Das ist kein Zufall, sondern die unausbleibliche Folge mangelnder Erziehung. Nun wäre es ein, allerdings weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, daß man sich auf mohammedanisch-arabischer Seite mit diesen Zustand abgefunden hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Jeder arabische Kongreß, jede moslemische Jugendkonferenz hat das Thema Volkserziehung zum Gegenstand ihrer Beratungen gemacht, die Regierung zur Erfüllung ihrer Pflichten, und zur Selbsthilfe aufgerufen. Deutlicher noch sprechen die vom Erziehungsdepartement selbst veröffentlichten Zahlen: allein im letzten Jahre wurden von 9.700 arabischen Kindern, die um Aufnahme in die Regierungsschulen ersuchten, 4.300 oder 45 Prozent zurückgewiesen. Der Grund dafür ist einfach: die Zahl der Regierungsschulen, die 1924 noch 315 betrug, ist inzwischen auf 308 gesunken. Die Zahl der Schüler hat sich zwar in dieser Periode von 19.900 auf 24.300 gehoben, aber was besagt dieser Zuwachs von 4.400 Schülern innerhalb von sieben Jahren gegenüber den 4.300 Kinder, die allein im letzten Jahre abgewiesen wurden. Bei aller Gerechtigkeit gegenüber den Schwierigkeiten, die die Mandatsregierung auch auf dem Gebiete des Erziehungswesens zu überwinden hatte und noch hat, und in voller Anerkennung dessen, was von ihr geleistet worden ist, kann man das heute vorliegende Ergebnis von fünfzehn Jahren von „british civilisation" in Palästina nur als völlig ungenügend und radikal reformbedürftig bezeichnen. Man darf auch nicht außer Acht lassen, daß bis zum Jahre 1926 das jüdische Erziehungswerk völlig auf eigene Kräfte angewiesen war, daß jetzt die Regierung nur 13,2 Prozent ihres Erziehungsbudgets für jüdische Schulen zur