Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 281 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379900-2379905-2395723--13888-2395988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rigkeiten erleichterte, und der bis zum heutigen Tage ein charakteristisches und von allen Beobachtern bewundertes Merkmal der Siedlungen im Emek geblieben ist. Trotzdem die Siedler im Emek nodh mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hal>en, findet sich bei ihnen nirgends ein Gefühl der Schwäche oder Verlust des Zutrauens in ihre Zukunft. Im Gegenteil, überall zeigt sich das feste Vertrauen, durch alle Schwierigkeiten hindurch die gemischte Wirtschaft zum Ziele zu führen und zu einer ausreichenden Existenzquelle für den Siedler zu machen. Sie fühlen sidh dabei als Pioniere nicht nur für den Emek, sondern für ganz Palästina, denn die Erfahrungen im Emek haben ihren Wert für alle schweren Böden in Palästina und außerhalb eines kleinen Teils der Küstenebene haben wir überall in Palästina mit schweren Böden zu tun. Der Siedler, der seine Wirtschaft nur vom Standpunkt der Rentabilität ansieht, kann leicht in die Versuchung kommen, seine Wirtschaft zu verkaufen, wenn eine Krise die Rentabilität zerstört oder »herabsetzt. Damit gehen die wertvollen landwirtschaftlichen Erfahrungen des bisherigen Siedlers und seiner Kinder verloren, und es kommt nicht zur Bildung eines mit dem Boden verwachsenen Bauernstandes. Bei den Siedlern im Emek hingegen, die ihre Wirtschaft nicht nur vom Standpunkt der Rentabilität, sondern als Teil ihres Lebens und als zukünftiges Lebenswerk ihrer Kinder betrachten, besteht die obige Gefahr nicht. Die neue Genjeration, die in den Siedlungen des Emek heranwächst und die von Kindesbeinen an mit allen landwirtschaftlichen Dingen vertraut ist, verspricht nicht nur, es ihren Eltern gleich zu tun, sondern sie in der Liebe zur Landwirtschaft unid in landwirtschaftlichen Kenntnissen zu übertreffen. Das ist für den Aufbau des Jüdischen Nationaliheims wahrscheinlich keine geringere Gewähr als die bloße Rentabilität. 11. Schlußfolgerungen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß mit der Orangenpflanzung nun für immer der einzig paksende Typ für die jüdische Kolonisation in Palästina gefunden ist. In dem ewigen Kampf des Menschen mit der Natur, der rationelle Landwirtschaft heißt, gibt es kein System, das ewigen Bestand hat. Jedes Wirtschaftssystem unterliegt fortgesetzt gewissen Wandlungen, die durch die Wandlungen im Geschmack der Konsumenten, in den Verkehrs Verhältnissen, in der Konkurrenz anderer Länder begründet sind. Das gilt für die Landwirtschaft in den kalten ebenso wie in den warmen Ländern. Fruchtbarer Boden, Sonne und Wasser sind nicjit nur in Palästina, sondern im ganzen Mittelmeergebiet und weit darüber hinaus in gleicher Weise vorhanden. Es ist keine Gewäjhr gegeben, daß die jetzige gute Konjunktur für Orangen im allgemeinen und für Palästina-Orangen im besonderen eine ewige ist. Deshalb steht eine Konjunktur-Kolonisation auf tönernen Füßen. Wir können nicht alle paar Jahre unsere Kolonisation je nach der Konjunktur von Grund auf ändern. Es ist leider eine jüdische Eigentümlichkeit, immer von einem Extrem ins andere zu fallen. Statt Adaptierung wenden wir uns nur zu schnell zur Revolutionierung. Das ungeheure Maß von Energie, Opfern und Geld, das wir bisher in unsere Kolonisation hineingesteckt haben, kann erhalten werden, wenn wir uns nicht von den post factum-Propheten leiten lassen, die bei jeder neu auftauchenden Konjunktur sich darüber ereifern, daß man nicht schon früher diese Konjunktur in Rechnung gestellt hajt. Wenn wir uns vor Augen halten, daß unsere Kolonisation nicht nur ein Mittel zur Erzielung von Profiten ist, son-