Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 279 (sequence 11)
- Language
- German
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noch nicht mit allen erforderlichen Produktionsmitteln (Kühen, Hühnerställen) ausgestattet war, sondern diese erst 1930 und 1931 erhielt. Von einer noch nicht voll ausgestatteten Wirtschaft kann man aber natürlich nicht volle Einnahmen erwarten. Die Rechnung ist im Falle Tel Adaschim auch insofern lückenhaft, als sie nur cfie Bareinnahmen und Barausgaben in Betracht zieht, ohne zu bedenken, daß der Siedler am Ende des Wirtschaftsjahres vielleicht in einem vergrößerten Viehbestand usw. einen Gegenposten für das sogenannte Defizit besitzt. In dem laufenden Jahre 1931/32 werden die erwähnten Siedlungen, wie mir aus den Kreisen der Siedler berichtet wird, nicht nur kein Defizit, sondern einen Ueberschuß haben. Wenn man also nicht die beiden „Mäusejähre", sondern das normale Jahr 1931/32 zugrunde legt, so fällt die ganze Argumentation in sich zusammen. Mit alledem soll nicht gesagt sein,, daß die gemischten Wirtschaften schon über alle Sorgen hinaus sind. Aber sie raaqhen von Jajir zu Jahr < weitere Fortschritte. M. Smiliansky hat dies in einem Artikel im „Boustn'ai" vom Mai 1932 mit Enthusiasmus anerkannt und sieht den Beweis erbracht, daß die gemischten Wirtschaften lebensfähig sind. (Vgl. darüber die Notiz S. 302. — Anm. d. Red.) Dabei muß man in Betracht ziehen, daß die Landwirtschaft sich jetzt in der ganzen Welt in einem Zustande außerordentlicher Depression befindet und daß die Preise für Milch, Eier, Geflügel in den letzten Jahren sehr stark gesunken sind. Aber die gemischte Wirtschaft hat den Vorteil, daß, wenn ein Zweig der Wirtschaft leidet, ein anderer über das normale Maß hinaus ertragreich sein kann. In diesem Frühjahr schickten die Siedlungen im Jordantal jeden Tag Lastautos mit frischem Blumenkohl nach Damaskus und erzielten dafür außerordentlich lohnende Preise. Die Lastautos verließen am frühen Morgen Damaskus, trafen kurz vor Mittag direkt auf den Feldern von Dagania ein und waren spät am Nachmittag bereits mit dem Blumenkohl wieder in Damaskus zurück. Die Banajie, deren' Anbau in der Küstenebene wegen Frostgefahr nicht unbedenklich ist, hat sich' im Jordantal sehr gut entwickelt, wenn auch ihr Export infolge von valutarischen Beschränkungen in manchen Absatz-Ländern., z. B. in Griechenland, zurzeit gehindert ist. In der von unserer landwirtschaftlichen Versuchsstation unterhaltenen Farm Djebatta^ im Emek wurden seit mehreren Jahren erfolgversprechende Versuche mit der Anpflanzung von Feigen durchgeführt. Es hat sich gezeigt, daß Erdbeeren, Aepfel und Birnen sowie Kartoffeln, die bisher durchweg vom Auslande eingeführt wurden, im Emek gut gedeihen. Der Anbau von Leinsaat für LeinÖlerzeu^ung hat den Siedlern, im Emek in den letzten Jahren gute Erträge gebracht. Auf der anderen Seite ist es möglich gewesen, in den letzten Jahren durch Einführung modernster Maschinen, wie z. B. der kombinierten Schneide- und Dreschmaschine, die Produktionskosten erheblich herabzusetzen. (Vgl. darüber den Artikel von D. Horowitz in Nr. 5/7. — Anm. d: Red.) Sogar die Zitrusfrüchte (Orangen und Grapefruit) sind den gemischten Wirtschaften nicht mehr fremd. In den vier zionistischen Siedlungen des Jordantales (Kinereth, Dagania A und B, Beth Sera) sind seit Jahren, zum Teil schon vor dem Kriege, Orangen und Grapefruits angepflanzt worden. Neuerdings haben es nach längeren Versuchen auch viele Siedlungen im Emek für möglich gefunden, auf gewissen Böden, die bis dahin für Zitrusfrüchte