Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
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durch ihre Nähe zum Jerusalemer Markt ihre ungünstigen Produktionsbedingungen überkompensieren und ideshalb zu den rentabelsten Siedlungen gehören. Aber überall dort, wo nicht solche außergewöhnlich günstigen Marktbedinguhgen vorhanden sind, ist es in der Tat zurzeit für neue jüdische Siedler kaum möglich, durch Landwirtschaft im Berglande, ihren Unterhalt zu verdienen. Die wenigen fruchtbaren Gebirgstäler sind stark bevölkert und deshalb nicht käuflich. Auf dem durchschnittlichen mageren Gebirgsboden kann aber der jüdische Siedler mittels Getreidebau keinen europäischen Lebensstandard erreichen^ und die Anlage von unbewässerten Pflanzungen (die Orange gedeiht im Gebirge nicht) verlangt kostspielige Terrassierungen, sehr viel Handarbeit und die. Mithilfe von Frauen und Kindern bei der Arbeit — Dinge, die einer Neusiedlung von Juden sehr große Hindernisse in den Weg stellen, viel größere jedenfalls als in den Ebenen. Wenn wir außer dem Bergland auch noch alle Ebenen, mit Ausnahme des für Orangenkultur tauglichen schmalen Küstenstreifens, von unserem Besiedlungsprogramm absetzen wollten — was bleibt dann? Von den 5 Millionen Dunam in den Ebenen sind für Orangenbau nach Schätzung der Sachverständigen nur etwa 500.000 Dunam tauglich. Von die(sen sind zurzeit etwa 130.000 Dunam mit Orangen bepflanzt und von de,n übrigen 370.000 Dunam kommt ein großer Teil, weil in kleinen Flächen in und zwischen arabischen Dörfern verstreut, für jüdische Kolonisation kaum in Betracht. Es bleiben dann vielleicht noch 200.000 Dunam übrig, die, wenn auch nicht sofort, so doch im Laufe der Zeit käuflich sein werden. Vom Standpunkt der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina kann es unmöglich unser Ziel sein, uns auf diese 200.000 Dunam in der Küstenebene zu beschränken und eine kleine Enklave in einem nichtjüdischen Palästina zu bilden. Erez Israel ist nicht nur dort, wo die Orange gedeiht. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, überall in den Ebenen die Kolonisation aufzunehmen, selbst wenn sie vom Standpunkt der Rentabilität zurzeit weniger aussichtsreich ist als die Oranigenkultur. 5. Bodenpreis-Politik. Zu derselben Forderung kommen wir auch vom Standpunkt der Preispolitik. Würden unsere nationalen Fonds, wie Gramovsky es vorschlägt, ihre ganze Bodenkaufstätigkeit ausschließlich in die Küstenebene verlegt haben, so würde dies ohne jeden Zweifel von Anfang an eine sehr starke Steigerung der Bopreise zur Folge gehabt haben. Der Boden, der in dqr Küstenebene unter einigermaßen normalen Bedingungem zu kaufen war, ist nach Meinung von E. Hankin, der sein ganzes Leben dejm Bodenkauf gewidmet hat, restlos von Juden gekauft worden, und zwar zum größten Teil von Privatleuten und Pflanzungsgesellschaften, zum kleinerefci Teile vom Jüdischen Nationalfonds. Darüber hinaus wären Erwerbungen nur möglich gewesen, wenn man auch an verwickeitere Käufe herangetreten wäre und Phantasiepreise gezahlt hätte. Es ist ein selbstverständliches kaufmännisches Gebot, nicht alle Bodenkäufe in einem bestimmten kleinen Teil Palästinas zu tätigen. Die Bodenpreise in der Küstenzone haben sich ohnehin in den letzten Jahtren infolge der jüdischen Käufe verdoppelt und verdreifacht. Hätte man die Bodenkäufe in der Küstenebene für die zionistische Kolonisation noch miehr in den Vordergrund gestellt, so ist gar nicht abzuseihen, wie weit die Preise noch darüber hinaus gestiegen wären.