Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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Zweifel sein kann, daß im Jalhre 1921 der Beschluß, die jüdischen Siedlungen auf Inlandsabsatz, d. h. auf Erzeugung von Milch und Milchprodukten, Eiern, Geflügel, Gemüse usw. einzustellen, durchaus berechtigt und das Gebot der Stunde war. Aber auch vom rüc^schauenden Standpunkte des Jahres 1932 bleibt die damalige Entscheidung richtig, sobald man nicht allein den größtmöglichen Ertrag, sondern das Gesamtresultat der Siedlungstätigkeit für den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte, zur Richtschnur nimmt. Hätte die Zionistische Organisation die Summe von einer Million Pfund, die sie aus den Mitteln des Keren Hajessod seit dem Weltkriege in die gemischten Wirtschaften investiert hat, statt dessen für Siedlungen auf der Grundlage der Orangenpflanzung aufgewendet, so würden sich heute in der Küstenzone etwa 1000 jüdische Siedler und etwa 10.000 Dunam Orangenpflanzungen mehr befinden. Statt 65.000 Dunam Orangenpflanzungen, welche heute in jüdischen Händen sind, würden es 75.000 Dunam sein. Ist diese relativ geringfügige Vergrößerung in einem von Juden schon früher besiedeltem Gebiete vergleichbar mit der Neuerwerbung und Neubesiedlung von 250.000 Dunam in dem damals von der jüdischen Kolonisation (abgesehen von Merchawia) noch unberührten Emek? Würde unsere politische und wirtschaftliche Position im Lande stärker sein, wenn wir statt des Emek und 'seiner Siedlungen heute 1000 Siedler und 10.000 Dunam Orangen mehr in der Küstenebene hätten? Ich glaube, niemand wird diese Frage bejahen. 3. Die Wichtigkeit des Emek Jesreel. Nicht nur Erwägungen übfer die besseren Ghancen 'für den Absatz der Produkte waren es, welche zur Gründung von Siedlungen mit gemischter Wirtschaft führten. Die Kolonisation ist in Palästina aufs engste mit dem Bodenkauf . verbunden. Nur dort, wo man Boden hat, kann man kolonisieren. Palästina ist nicht ein Kuchen, aus dem 'wir uns mach Belieben die »-Rosinen heraussuchen können. Wir sind vielmehr davon labhängig, welche Bodenflächen im freien Markte käuflich siricL Die Möglichkeit zur schnellen Erwerbung großer, zusammenhängender Bodenkomplexe war in der Zeit nach dem Kriege, als der Zionismus von allen Seiten zu sofortiger kolonisatorischer Tätigkeit angetrieben wurde, nur im Emek Jesreel gegeben. Fast der ganz» Emek war in der Hand einiger Großgrundbesitzer, die bereit waren, den Kaufpreis nicht auf einmal zu verlangen (das hätte die finanziellen Kräfte des Jüdischen Nationalfonds überstiegen), sondern ihn in sechs Jahresraten zu empfangen. Diese Böden wurden von Pächtern bearbeitet, die größtenteils die Böden erst vor relativ kurzer Zeit gepachtet hatten unid ohne besondere (Schwierigkeiten von den Verkäufern anderweitig angesiedelt oder in sonstiger Weise abgefunden werden «konnten. Auf diese Weise standen für die jüdische Kolonisation sofort 60.000 bis 70.000 Dunam und später — sobald das Geld zum Kauf vorhanden war — weitere 200.000 Dunam zur Verfügung. Von den ersten 60.000 bis -70.000 Dunam war »ein, allerdings nur kleiner Teil durch Quellen (wie in Nahalal) oder vom Jaludflusse (wie im Nurisblock) bewässerbar. — Im Gegensatz zum Emek war es in der Küstenebene viel schwieriger, große Bodenkomplexe zu 'erwerben. Hier gab es weniger Großgrundbesitz, und die meisten Pächter »des Großgrundbesitzes waren nicht erst seit kurzem auf diesem Boden übersiedelt, sondern waren in eigenen Dörfern seit langer Zeit ansässig. Wir wissen aus der Erfahrung der letzten Jahre zur Genüge,