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Palästina · 1932-08-01 · Heft 8-9 (August 1932) · p. Seite 271

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 8-9 (August 1932)
Article
Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
Date
1932-08-01
Page
Seite 271 (sequence 3)
Language
German
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hungernden städtischen Juden mit Nahrungsmitteln versorgen. Auch in den deutschen Kolonien (Sarona, Wilhelma), die als erste die Milchwirtschaft nach modernen Grundsätzen eingeführt hatten, erwies sie sidh als sehr rentabel. In Palästina war Milch ebenso wie* Kuhkäse und Butter zu jener Zeit außerordentlich selten und teuer. Die Araber hatten und haben, da sie keine Stallfütterung kennen, nur während einiger Mibna,te im Jahre Kuhmilch zu verkaufen. In der übrigen Zeit haben sie fast nicßits. Die jüdischen Kolonien hatten sich bis dahin noch nicht mit der Milchproduktion befaßt (wenn man von den Anfängen in den zionistischen Vorkriegssiedlungen Kinereth, Daganiah, Merchaviah und Ben Schemen absieht). Es kam vor, daß man in einer seit Jahrzehnten bestehenden jüdischen Kolonie nicht ein Glas eigener Milch, geschweige Butter oder Käse bekommen konnte. Andererseits war nicht nur in der bereits im Lande befindlichen jüdischen Bevölkerung ein großer Bedarf an Milch, Käse, Butter fühlbar, sondern es war vorauszusehen, daß mit einer zu erwartenden großen jüdischen Einwanderung dieser Bedarf noch» viel stärker werden würde. Bei diesen jüdischen Konsumenten durften die Produkte der jüdischen Siedler auf einen sicheren Markt, vielleicht sogar auf eine Vorzugsbehandlung rechnen. Hätten wir damals nichts getan, um diese Entwicklung vorwegzunehmen und mit der Milchproduktion zu beginnen, so hätten andere Produzenten diesen Markt für sich erobert. Die 100.000 Pfund, die Tenuvah in den letzten Jahren alljährlich aus dem Verkauf der in den zionistischen Siedlungen erzeugten Milch, Käse und Butter erlöst hat, wären dann nicht in jüdischen Händen geblieben. Das für Milch Gesagte galt ebenso für Geflügel, Eier, Gemüse und Früchte (mit Ausnahme von .Orangen). Auch diese Produkte kamen damals zu dem jüdischen Konsumenten, nicht -aus jüdischen Kolonien, sondern ausschließlich von nicht jüdischen Produzenten oder aus dem Auslande. In gleicher Weise wie die 100.000 Pfund für Milch wären äuch die 50.000 Pfund, die Tenuvah aus dem Verkauf 'dieser anderen Produkte der jüdischen Siedlungen in dem' letzten Jahre erzielte, ohne die damals von der Zionistischen Organisation gegründeten und vom Keren Hajessod finanzierten Siedlungen der jüdischen Wirtschaft verloren gegangen. *) Die Preise für Getreide in Palästina unid dementsprechend auch für Milch, Eier, Geflügel, Gemüse waren nach dem Kriege außerordentlich hoch und hielten sich viele Jahre au^f dieser Höhe. Sogar weJnn man erheblicjh niedrigere Preise ajs die damals herrschendem, in Rechnung stellte, ergab sidh, daß die Siedler bei einer rechtzeitigen Ausstattung mit Inventar und bei normaler Ernte alle iftire Ausgaben würden decken i^nd nach einem europäischen Standard würden leben können/. Wer diese Zahlen im einzelnen kennen lernen will, findet sie in der im Jajhre 1920 erschienenen Broschüre von Elieser Joffe über „Moscfhaw Owdim". Dort wird für jeden Siedler nach Abzug aller Ausgaben für Haustaalt, Wirtschaft und Koloniespesen und nach Abzug von Zinsen für das Siedlungsdarktien mit einem jährlichen Uebersclhuß von zirka 200 Goldfrancs gerechnet. Der große Rückgang der Produkte der gemisdhten Wirtschaft trat erst seit 1925 und besonders stark seit 1929 ein. Ich glaube, daß niemand, der diese Dinge unparteiisch abwägt, darüber im *) Der in dieser Nummer abgedruckte Bericht der „Tenuvah" illustriert die Ausführungen des Autors. — Die Red.

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