Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
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wundert sich darüber, daß man den Getreidebau zur Grundlage der Kolonisation machte, obwohl doch bereits früher in den untergaliläischen Kolonien der Ica der Beweis erbracht worden sei, daß der Getreidebau den Siedler nicht ernähren könne. Es ist schwer verständlich, wie selbst sonst informierte Zionisten diese irrtümliche Auffassung haben können. Die zionistischen Siedlungen sind ja gerade in bewußter Ablehnung des Getreidebaues der untergaliläischen Kolonien entstanden. Im Gegensatz zu den untergaliläischen Kolonien produzieren sie Getreide nicht für den Verkauf, sondern für den Selbstverbrauch oder als Futter für Vieh und Geflügel. Nicht der Getreidebau, sondern Milchwirtschaft und Hühnerzucht stehen im Zentrum der Wirtschaft und außerdem werden Gemüse, Weintrauben und sonstige unbewässerte Pflanzungen angebaut. Der Unterschied zwischen diesen beiden Wirtschaftstypen ist sehr groß. Die gemischte Wirtschaft im Emek ist eine intensive, den Siedler das ganze Jahr hindurch beschäftigende Wirtschaft; sie produziert frische Milch, Butter, Käse, Eier, Geflügel, Gemüse, Weintrauben für den lokalen Markt und ist vom Weltmarkt fast unabhängig. Die alte untergaliläische Wirtschaft ist eine extensive Getreidewirtschaft, die den Siedler während eines großen Teiles des Jahres unbeschäftigt läßt; sie muß das über den Selbstverbrauch hinausgehende Quantum Getreide im Inlande oder Auslande verkaufen und bekommt die Preise vom Weltmarkt diktiert. 2. Die Lage der palästinensischen Landwirtschaft im Jahre 1921. Wer im Jahre 1921, als die Zionistische Organisation gleichzeitig mit der Gründung des Koren Hajessod die neue Periode ihrer Kolonisationstätigkeit begann, die Frage studiert hätte, welche landwirtschaftlichen Produkte am ehesten Aussicht auf sicheren Absatz haben, hätte niemals die Orange nennen können. Zu dieser Zeit war der Absatz der palästinensischen Orange so schlecht, daß von einer Rentabilität der Orangenpflanzungen keine Rede sein konnte. Kein Jude wollte eine Orangenpflanzung neu anlegen. Im Gegenteil verkauften viele Juden ihre Orangerien zu Schleuderpreisen, zum Teil sogar an Araber. — Erstklassiger Orangenboden in der Nähe von Petach Tikwah, den die Palestine Land Development Company damals zu dem niedrigen Preis von 3 Pfund pro Dunam ausbot, blieb jahrelang unverkäuflich. Die Juden erinnersiah noch zu gut daran, daß während der vier Kriegsjahre und der zwei Nachkriegsjahre die Orangenpflanzungen infolge der Unmöglichkeit des Exportes überhaupt keine Einnahme gegeben, aber zu ihrer Erhaltung jährlich große Ausgaben erfordert und daß die Heuschrecken im Jahre 1915 viele Orangengärten gänzlich vernichtet hatten. Die Anpflanzung von Orangen galt damals als der riskanteste Zweig der Landwirtschaft. Heute ist das alles vergessen. Nun kann man in der Tat hoffen, daß eine Situation, wie sie durch den Weltkrieg geschaffen wurde, sich nie mehr wiederholen wird. Aber man darf nicht ganz außer acht lassen, daß auch jede geringere kriegerische Verwicklung, die den Schiffsverkehr im Mittelmeer stört oder wichtige Einfuhrländer der Orange versperrt, die Orangenpflanzer ihrer Einnahmen berauben und katastrophale Folgen haben würde. Gegenüber den Orangenpflanzungen waren während des Weltkrieges und einige Jahre danach die wenigen gemischten Wirtschaften der Zionistischen Organisation in Palästina geradezu Oasön des Wohlstandes in der Wüste der allgemeinen Not. Die Siedler prosperierten und konnten einen Teil der