Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Gemeinsame medizinische Arbeit zwischen Juden und Arabern
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
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Einsicht, medizinische Logik fordern eindeutig, daß Wir uns für die sanitäre. Lage des Nachbarn, mit dem wir Haus an HaUs wohnen, lebhaft interessieren. Eine unhygienische arabische Bevölkerung, verseucht von Krankheiten, ist einej dauernde schwere Gefahr für den jüdischen Jischuw. Es ist eine glatte Unmöglichkeit, ein hygienisches jüdisches Eiland inmitten einer unhygienischen See schaffen zu wollen. Wir halben im Lande an ansteckenden Krankheiten unter anderem: Typhus, Dysenterie, Trachom. Der Trachom, die ägyptische Augenkrankheit, hat, dank der Tätigkeit desr Hadassah, aufgehört, eine nennenswerte Rolle unter der jüdischen Bevölkerung zu spielen. Aber uniter der arabischen Bevölkerung wütet er noch weiter und bedeutet somit eine dauernde schwere Gefahrenquelle für die jüdische Bevölkerung. Wir haben im jüdischen Jischuw jedes Jahr zahlreiche Fälle von Typhus und Dysenterie. In Tel- Aviv waren im Jahre 1931: 127 Fälle von Typhus. In Europa hätte man bei einer solchen Anzahl von Typhusfällen einen ganzen Apparat von Gesundheitsbeamten und Aerzten mobilisiert. Woher kommen diese -Krankheiten? Wir finden darüber diev entgegengesetzten Ansichten verbreitet. Von jüdischer Seite wird behauptet, daß ihre Quelle in der arabischen Bevölkerung zu suchen ist, im verschmutzten arabischen Gemüse und Obst. Und von ara«j bischer Seite wird darauf hingewiesen, daß nach den Statistiken der Regierung mancherorts verhältnismäßig mehr Juden an Typhus und Dysenterie erkranken als Araber und es wird behauptet, daß der Araber im Laufe von Jahrhunderten eine gewisse Immunität gegen diese Krankheiten erworben habe und daß der neue jüdische Einwanderer, der nicht immun ist, in viel größerer Zahl diesen Krankheiten zum Opfer falle. Wie dem audh sei, eins ist klar: der Kampf gegen diese Krankheiten, wenn er systematisch geführt werden soll, kann nur gemeinsam geführt werden. Es ist eine Unmöglichkeit, Epidemien durch Teilaktionen bekämpfen zu wollen. Wir sind also aufs höchste daran interessiert, daß der arabische Teil der Bevölkerung von diesen Seuchen verschont wird. — Ein anderes Faktum: Das Jahr 1931 hat ein gewisses Ansteigen der Säuglingssterblichkeit gebracht, von 6,9 auf 8,1 Prozent. Immerhin ein Ansteigen um 17 Prozent. Man hat vielerlei Gründe dafür anzuführen versucht. Jedenfalls wird eine stetige Besserung der Gesundheitsverhältnisse des jüdischen Jischuw unmöglich sein, wenn nicht gleichzeitig auch das hygienische Niveau der Araber im Steigen begriffen ist. Abgesehen von diesen rein praktischen Gründen dürfte ärztliches Verantwortlichkeitsgefühl es nicht zulassen, daß in unserer unmittelbaren Nähe Menschen in so schlechten hygienischen Verhältnissen leben und müßte uns und unsere ärztlichen Institute anspornen, ihnen in weitem Maße unsere ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen. Die zweite Frage, die wir uns vorlegen müssen, ist folgende: sollen wir aktiv eingreifen und der arabischen Bevölkerung das ausgebreitete Netz unserer medizinischen Institutionen, natürlich unter bestimmten Kautelen und zu einem gewissen Prozentsatz, zur Verfügung stellen? Es ist psychologisch nur zu verständlich, daß man vor dieser Frage die Augen verschließt und sie nicht kennen will. Haben wir nicht unsere Institute mjit so viel Arbeit, so viel Schweiß, so viel mühselig zusammengesuchtem Geld aufgebaut und sollen jetzt ein anderes Volk, das nichts für den Aufbau der Institute getan hat, zum Nutznießer unserer Institute machen? Trotzdem wird man nicht umhin können, als auch diese Frage zu bejahen. Man wird zuerst immer wieder versuchen,