Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fellachen, Regierung und Juden
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
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licht hat, in dem er die wirtschaftlichen Verhältnisse in klarer, übersichtlicher Weise schildert, hat seinem Werke u. a. auch eine Tabelle beigegeben, aus der ersichtlich ist, daß jüdische Einwanderung und Staatseinnahmen eine parallele Bewegung zeigen. Im Verhältnis der Einwanderung steigen die Einnahmen der Regierung. Die Mittel, die eine produktive Agrarpolitik der Regierung laufend erfordern würde, könnten ihr nur durch Ermöglichung erhöhter jüdischer Tätigkeit zufließen, zum Beispiel für die Ansiedlung der „landlosen" Araber. Woher sollen sonst die Geldmittel kommen, um diese durchzuführen? An die geplante Anleihe ist heute kaum zu denkein. Wird die Regierung aus eigenen, noch vorhandenen Mitteln ein paar hundert „landlose" Araber ansiedeln, anstatt das Geld zum Nutzen der gesamten Fellachenwijrtschaft für die skizzierten Hilfszweige zu verwenden? Wird sich, die arabische Bauernschaft, die allerdings ohne wirkliche Führung ist, das gefallen lassen? Wahrscheinlich! Denn die Fellachen, jahrhundertelang Bedrückung gewöhnt, noch heute zum größten Teil analphabetisch, lassen sich zwar durch religiöse und nationale Agitation aufpeitschen, aber sind noch nicht dazu geschult, ihr wirtschaftliches Interesse organisiert zu vertreten. Ihre Reaktion auf die Verschlechterung ihrer Lage ist vielmehr sehr träge. Beweis dafür, daß trotz der schweren Lage, in der sie sich besonders seit dem Sturz der Agrarpreise, also schon ab 1929 befin^den^ weder eine Abwanderung in die Stadt, noch eine nennenswerte Auswanderung besteht. Die Volkszählung vom November 1931 ergab, daß von den Moslems heute ein größerer Prozentsatz auf dem Lande lebt als 1922 (73,2 gegen 71,5). Unjd die Auswanderung der mohammedanischen Araber aus Palästina betrug 1930: 526 Köpfe. Wenn ausgeführt wurde, daß die Regierung bisher wenig Neigung zeigte, mit kraftvoller Hand die Uebelstände zu beseitigen, unter denen die fellachische Wirtschaft leidet, so muß hinzugefügt werden, daß auch die jüdische Bevölkerung Palästinas nocji wenig Verständnis dafür gezeigt hat, daß sie selbst das größte Injteyesse an Besserstellung der arabischen Landwirtschaft hat. Man mag welcher Richtung im Zionismus immer angehören, Politik wird stets in weitestem Maße von Realitäten abhängen. Eine verzweifelte, ja bloß schlecht genährte,, bedrückte Masse — udd die Fellachen mit den Beduinen machen mehr als die, Hälfte der palästinensischen Bevölkerung aus, und wenn man die halblandwirtschaftlichen Bewohner der kleinen Städte mitzählt, sogar sieben Zehntel — wird immer zu Unruhen geneigt sein, ihr Haß ist leicht zu entflammen. Eine Landflucht in größerem Umfang würde nicht zu vermeiden sein und dadurch dem städtischen jüdischen Arbeiter eine vernichtende Konkurrenz drohen. Aber davon ganz abgesehen, hängt ein Freiwerden von Bodenflächen für eine wachsende jüdische Kolonisation, die sich ohne Reibung mit den Arabern vollziehen soll, von einer Intensivierung der arabischen Kulturen ab, die nur bei einem sehr gehobenen Niveau der Fellachen möglich ist. Bei einem solchen wird auch ihre Konsumkraft steigen, sowie der allgemeine Fortschritt des Landes beschleunigt werden, was den Juden zugute kommen wird. Es mag paradox klingen, doch die Juden müßten sich aus eigenem Interesse aktiv an der Hebung der Lage der Fellachen beteiligen und eine solche Tendenz müßte auch klar zum Ausdruck kommen. Das ist heute gewiß schwer möglich, da es keinen Gesetzgebenden Rat gibt, in dem Vertreter beider Völker ihren Einfluß auf die Legislative ausüben, und man dadurch