Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fellachen, Regierung und Juden
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379900-2379905-2395718--13850-2395958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nicht nur in Palästina, sondern auch in Syrien und Aegypten, Ländern ohne jüdische Kolonisation, in der Bodenverteilung vor sich geht. Die Schuldenlasten und die daraus erwachsenden Zwangsverkäufe machen eine immer größere Zahl von Bauern dieser Staaten landlos. Der Wucherer und der Effendi vergrößern ihren Besitz. Die Methode der Dividierung der anbaufähigen Fläche durch die Zahl der Familien auf dem Lande ist daher unzureichend. Die Folge jenes Prozesses ist zum Beispiel in Syrien, daß dort zwei Drittel des anbaufähigen Bodens brachliegen und dennoch eine starke Auswanderung besteht. Alle Faktoren bewirken schließlich, daß eine gewisse stabile Durchschnittsgröße der Farmen erreicht wird, die in Syrien genau so wie in Palästina und Zypern 70 bis 130 Dunam ist. Das ist gerade diejenige Flächengröße, die (nach Wilkansky) eine Familie mit ihrem primitiven Werkzeug und Arbeitsweise bearbeiten kann. Bei einer kleineren wird der Fellache gezwungen, durch auswärtige Arbeiten sein Einkommen zu vergrößern, bei einer größeren müßte er Arbeitskräfte aufnehmen, die er aber nicht bezahlen könnte. Daher verschwindet der Mittelbesitz. Die Kleinwirtschaften können sich einige Zeit halten, aber mit der Vermehrung der Bevölkerung schrumpft auch, ihre Zahl ein. Es ist also vollkommen verfehlt, das Heil für^den Fellachen in einer Vergrößerung seiner Bodenfläqhe zu suchen. Es gibt, namentlich angesichts des Sturzes der Agraxpreise, auch für die Fellachen keinen anderen Weg als den der Intensivierung der Wirtschaft bei Verkleinerung der Fläche. Alle Untersuchungen, die nicht von einem vorgefaßten, politischen Standpunkt ausgehen, kommen daher zu ein und demselben Resultat. Erstens: Der Niedergang der Fellachen hat nicht 'das mindeste zu tun mit Folgen der jüdischen Kolonisation. Zweitens: Es gibt für den arabischen Bauern keinen anderen Ausweg als Uebergang zu intensiverer Kultur. Die Tatsachen in Palästina selbst bestätigen die Richtigkeit dieser Thesen. Es sind gerade die jüdischen Kolonien, die den Arabern der Umgebung es ermöglicht haben, zu intensiverer Kultur überzugehen. So besitzen jetzt Fellachen in der Küstenebene, die vor dem Kriege nicht ein Dunam Orangen ihr eigen nannten, durch das Geld, 'das sie durch Abgabe eines Teils ihres Bodens an Juden erlöst haben, 10.000 Dunam Orangen. Smilansky, der beste Kenner dieser Dinge, der seit Jahrzehnten Pflanzer ist, hat in seiner Broschüre: „Jewish Colonisation and the Fellah", Tel-Aviv, 1930, einzelne Daten über diese Tatsachen zusammengestellt. In der von ihm geleiteten Zeitschrift „Boustn'ai" (Nr. 45) zeigte Ben Israel, daß im Pflanzungsdistrikt Judäa, wo die ausgedehnteste jüdische Orangenkultur besteht, <Jie arabischen Dörfer eine Durchschnittsfläche von 33,4 Dunam per Kopf ausweisen, in Ber Scheba, wo es keine jüdische Siedlung gibt, 171, und im Tal von Jericho sogar 734 Dunam. Natürlich kann man die speziellen Verhältnisse, die in der Küstenebene herrschen, nicht auf das ganze. Land beziehen. Jedenfalls aber gilt der Satz, daß dem Fellachen durch Vergrößerung seiner Bodenfläche nicht geholfen werden kann, ganz allgemein und deshalb ist die von Shaw-Simpson ausgehende und sicher von French zu erwartende Haltung völlig verfehlt. Wichtig ist aber auch folgendes: Je nach dem Tempo von jüdischer Einwanderung und jüdischem Aufbau wachsen die Einnahmen und die Uebersqhüsse der Regierung. Dr. Alfred Bonjne, der soeben ein sehr gutes Buch über Palästina (Deutsche wissenschaftliche Buchhandlung, Leipzig) veröffent-