Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fellachen, Regierung und Juden
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 253 (sequence 9)
- Language
- German
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erkennen könnte, wofür die Juden eintreten. Aber es gibt heute schon An* sätze einer friedlichen Kooperation in gemeinsamen Interessen. Speziell der jüdische Farmerbund unter Smilansky hat freundschaftliche Beziehungen mit arabischen Landwirten, und in manchen von der Regierung eingesetzten Komitees — wie z. B. dem Zitrusbeirat 1— arbeiten Vertreter beider Völker in Vertretung identischer wirtschaftlicher Interessen miteinander. Aber dies wenige genügt nicht. Die jüdische Oeffentlichkeit, die jüdische Presse, die jüdischen Sachverwalter müßten ihr Interesse an Her Hebung der Fellachen bekunden, sie müßten die Regierung zu Maßnahmen drängen — wie sich z. B. die jüdischen Führer der Kooperativen Strickland gegenüber bereit erklärt hatten, bei der Organisation arabischer landwirtschaftlicher Genossenschaften mitzuhelfen. Die Versuchsstation könnte, soweit es ihre bescheidenen Mittel erlauben, ihre Dienste, die sie so oft 'der Regierung leiht, direkt in Unterweisung (arabische Flugblätter!) und technischer Hilfe den arabischen Fellachen zugute kommen lassen. Aehnliches gilt für das Schul- und Sanitätswesen. (Siehe zu letzterem den Artikel von Dr. W. Brünn in dieser Nummer.) Man darf sich aber keiner Täuschung darüber hingeben, daß — nach allen geschichtlichen Erfahrungen — eine gehobene arabische Bevölkerung wahrscheinlich auch einem aggressiven Nationalismus moderner Art viel eher zugänglich wäre als die heutige rückständige. Daraus kann aber nicht der Schluß gezogen werden, daß es gegen das Interesse der Juden wäre, in der angedeuteten Art vorzugehen. Denn das primärste Interesse der Juden ist Ansiedlung und die Freimachung von Bodenflächen dafür. Nur von diesem, dem allerwichtigsten Gesichtspunkt aus ist die Frage hier behandelt worden. Dr. Hugo Herrinann hat kürzlich in einer Broschüre: „Die Araberfrage Palästinas" (Prag 1932) einen ähnlichen Gedanken ausgesprochen: „Das jüdische Aufbauwerk kann nicht als isolierte Aufgabe betrachtet werden, sondern steht in engster Wechselbeziehung zu der Entwicklung und dem Aufbau des Landes und seiner agrarischen Bevölkerung. Kein jüdischer Aufbau ohne Aufbau Palästinas." Die Hebung der Fellachen soll „mit moralischer Hilfe der Juden und insbesondere der Jewish-Agency" durchgeführt werden. Jedoch erwartet Dr. Hermann von dieser Haltung einen zu großen politischen Effekt. In einer Kritik dieser Broschüre in „Scheifotenu" (Heft 1, April 1932) wird richtig gesagt, daß die Meinung des Autors, wir könnten die Fellachen zu unseren Bundesgenossen machen, wenn wir „rascher und uneigennütziger auf das Wo]hd der Fellachen hinarbeiten, als 'die arabischen Nationalisten" (S. 25), irrig sei. Wir glauben auch, daß davon keine Rede sein kann. Es kann sich nur darum handeln, die Beziehungen zum arabischen Volk zu verbessern, und, was uns am wichtigsten ist, Boden für jüdische Ansiedlung freizubekommen. Keinesfalls können wir Zionisten nebst unseren eigenen Problemen nocji die der arabischen Fellachen mit unseren Mitteln lösen, und es ist se.hr fraglich, wie weit wir dafür auch nioeh Opfer bringen können, wie es der Kritiker in „Scheifotenu" verlangt. Keinesfalls wird es nach dem Erscheinen des French-Berichtes genügen, dessen Behauptungen zu widerlegen und die vorgeschlagenen Maßnahmen zu verhindern, sondern wir werden genötigt sein, positive Vorschläge zur Fellaqhen-Politik zu machen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, über den toten Punkt, an dem wir zurzeit angelangt sind, hinwegzukommen.