Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1932)
- Article
- Fellachen, Regierung und Juden
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
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Wie die Tätigkeit gegenüber den Fellacjh.en von offizieller Seite beurteilt wird, mag — neben den angeführten Stellen aus Simpsons Bericht — eine solche aus dem Bericht von Johnson-Crosbie (beide Beamte der Regierung) belegen. Es heißt darin (S- 30), daß eine radikale Aenderang der Lage der Fellachen nur möglich ist im Laufe der Zeit und unter sorgfältiger Führung. „Die Hauptschwierigkeit hier wie in anderen Ländern ist 'der allgemeine Mangel von Organisation der Bebauung und des Verkaufes und das Widerstreben (reluctanee) der Kreditinstitute, die Bauern zu finanzieren. Es ist sebr notwendig, die Bauern in einfachen und wirtschaftlichen Methoden der Landbebauung zu unterweisen. Gelegentliche Bemühungen in geringem Umfang (Intermittant efforts in a small way) sind von der Regierung in dieser Richtung gemacht worden durch die Errichtung von Versuchsstationen und Feldern in den Dörfern, und die jüdischen Ausbildungsinstitute haben viel getan: aber ihr Einfluß auf das ganze Land ist nicht fühlbar. Wenig ist geschehen trotz des Beispiels der jüdischen Gesellschaften, um Märkte für lokale Produkte auszubauen oder zu schaffen. Der Bajuer genießt keine Krediterleichterungen, die ihn davor bewahren könnten, zum Geldverleiher seine Zuflucht zu nehmen. Dajier ist er unfähig, den besten Zeitpunkt für Verkauf zu wählen, weil der Hauptteil seiner Ernte vom Geld Verleiher schon auf der Dreschtenne weggenommen wird, zur Bezahlung des Darlehens plus wucherischer Zinsen." Man fragt sich: Was hat mit diesen Nöten der jüdische Kolonist zu tun? Ist er schuld an diesen Mängeln und an dcjn Unterlassungssünden der Regierung? Bessert er nicht durch sein Beispiel, seine Kaufkraft usw. die Lage der Fellachen? Doch diese Seite der Frage ist genügsam abgehandelt worden. Es sei in diesem Zusammenhang nur noch auf einige andere Punkte verwiesen, die in der Oeffentlicjikeit bisher weniger Aufmerksamkeit gefunden haben. Wie bekannt, hat die, Regierung rund 300 Elementarschulen im Lande errichtet. Aber man weiß wenig davon, daß nur ein kleiner Teil der arabischen Dorfkinder Elementarunterricht erhält. Simpson (Report S. 79) schätzt ihn auf 12,2 Prozent, also auf noch nicht einmal ein Siebentel der Kinder. Ei} meint, daß kein Fortschritt in der Landwirtschaft möglich ist, ohne diesen Zustand zu bessern. Für den landwirtschaftlichen Unterricht der arabischen Kinder hatte die Regierung fast nichts getan, bis ihr ein Legat dös Juden Kadoorie durch ungenaue Textierung die Möglichkeit gab, in Tul-Keram eine landwirtschaftliche Schule für 40 arabische Schüler zu eröffnen. An dieser sollen auch alle Volksschullehrer einen einjährigen Kurs absolvieren. Man fragt sich, was die Regierung in diesem wichtigsten Zweig der Vorsorge für den Fortschritt der Fellachen getan hätte, wenn ihr nicht die jüdische Stiftung in den Schoß gefalle^ wäre? Sie hat bis dahin bei einigen Dorfschulen Versuchsfelder angelegt, deren Erfolg nach Simpsons Ansicht infolge der Unwissenheit der Lehrer bisher gering war. Doch in bezug auf den agrarischen Unterricht ist Col. Sawer anderer Meinung als Simpson. Während dieser forderte, daß nicht 40, sondern 120 bis 150 Schüler in Tul-Keram lernen sollten (Report S. 87), sagt Col. Sawer in dem eben erschienenen Bericht seines Departments für 1927 bis 1930 wörtlich folgendes: „Unterweisung in besseren und rentableren Methoden der Landwirtschaft schafft ein unmittelbares Bedürfnis nach Ausrüstung und Hilfsmitteln, welche der Bauer sich nicht auf wirtschaftlichem Wege verschaffen kann, sondern nur durch Hilfe des Dorfwucherers. Agrarische Erziehung kann unter solchen Umständen bloß dazu