Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- Politik. Von Spectator.
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
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Befürchtungen über eine Zuspitzung nationaler Beziehungen geknüpft werden, wie heute in Palästina. Man ist sich auf jüdischer Seite über die hier vorliegenden Gefahren durchaus im Klaren und sieht daher, obwohl vor allem im Norden der Saatenstand durch stärkeren Regenfall bedeutend günstiger ist als im mittleren Palästina, mit einiger Sorge dem Sommer entgegen. Auch diese Erscheinungen bringen wieder einmal die Tatsache in Erinnerung, daß Palästina ein ausgesprochenes Agrarland und daß das wirtschaftliche Schicksal der Landbevölkerung seine Resonanz in politischen Vorgängen finden kann, die das ganze Land angehen. So ist es aJuch erklärlich, daß von allen Berichten englischer Kommissionen und Experten, die Palästina in den letzten Jahren besucht haben, immer nur die Teile, die sich mit Land- und Bodenproblemen beschäftigen, von wirklich dauernder und ausschlaggebender Bedeutung wurden. Daß sich im Bericht der Shaw-Kommission und Sir John Hope Simpsons recht unfundierte, ja zum Teil klägliche Aeußerungen über die industrielle Entwicklung des Landes fanden, ist rasch vergessen worden. Nicht nur weil die Wirklichkeit die Berichte desavouiert hat, sondern auch weil es sich hier um Gebiete eines weniger latenten Konfliktes handelt. Anders in der Landfrage. Das Problem der Bodenknappheit, das zuerst, wenn auch in roher und irreführender Form von der Shaw-Kommission aufgeworfen und dann unter Vernachlässigung anderer Fragen wie der des Großgrundbesitzes und des Pachtwuchers geschickt von Simpson in den Vordergrund gestellt wurde, wird jetzt aller Voraussicht nach im French-Report seine erneute und stärkste Wiedererstehung finden. Das Echo in der jüdischen Oeffentlichkeit wird in diesem Falle klar vorauszusehen sein. Vor allem wird jede Anknüpfung oder Berufung auf den Simpson-Bericht, ohne sich gleichzeitig mit den von jüdischer Seite vorgebrachten Gegenargumenten auseinanderzusetzen, eine fruchtbare Kooperation zwischen French und den jüdischen Kolonisationsinstanzen unmöglich machen. Man hat allen Grund zu der Annahme, daß es sich bei dem French-Report um ein politisches Dokument handeln wird, das sich gegen die jüdischen Bodenkäufe wendet. Aus der sehr umfangreichen Diskussion der Bodenfragen, die seit dem Shaw-Bericht alle jüdischen Sachverständigen beschäftigt hatte, kann nämlich eines heute mit definitiver Sicherheit gefolgert werden: Akzeptiert man weder die Simpsonschen Berechnungen, dia bekanntlich auf recht problematischen Bodenaufnahmen vom Flugzeug aus beruhen, noch die Berechnungen jüdischer Sachverständiger, die zum Teile auf recht zuverlässigen Schätzungen und Vermessungen bewährter Bodenfachleute zurückgehen, so gibt es nur einen Weg zur Feststellung der wirklichen Ausdehnung des heute und morgen kultivier baren Bodens in Palästina; den einer beschleunigt durchzuführenden Bodenvermessung in ganz Palästina. Dabei muß gleichzeitig auch die Frage der Erschließbarkeit neuen Kulturlandes, sei es durch wirkliche Gewinnfung der nicht bebaubaren Böden, sei es durch Aenderung der Betriebsmethodejn in bisher extensiv geführten Wirtschaften, geprüft werden. Es soll nicht verkannt werden, daß die Prüfung dieses Problems auch von jüdischer Seite weitgehende Sorgfalt und Erwägung aller Seiten der Frage verlangt. Palästina gehört zweifellos zu den Ländern des Vorderen Orients, in denen ein Bodenproblem — teils als Folge des arabischen Bevölkerungszuwachses, teils als Folge der jüdischen Immigration — und die Notwendig-