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Palästina · 1932-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1932) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1932)
Article
Ländliches Volksleben in Palästina
Date
1932-05-01
Page
Seite 172 (sequence 6)
Language
German
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gewesen, gerade hier zu siedeln. Gemeinsam ist auch die große Dresqhtenne vor dem Dorf, sowie die Kelteranlage von größter Einfachheit. Die Backöfen gehören den einzelnen Sippen, -die sich für die einzelnen Tage den? Woche den Backofen zugeteilt haben. Für durchreisende Fremde unterhält die Gemeinschaft eine Herberge. Außerhalb der Siedlung liegt der Begr.äbnisplatz. Die Gräber ragen hoch aus dem weißen Steinfeld heraus, da die Toten sitzend beerdigt werden. Nur die Männer dürfen den Toten, der ohne Sarg beerdigt wird, zur Grabstätte geleiten. Die Frauen bleiben wehklagend am Dorfausgang zurück. In einzelnen Fellachendörfern sind ndch merkwürdige orgiastische Totentänze Sitte, die von klagenden Trauen aufgeführt werden. Die Fellachenweiber tragen keinen Schleier. Ihr indigo-blaues Gewand ist nicht unschön. Uns fiel die lange, äußerst unbequeme Sohleppe auf, die beim Arbeiten nach vorn gerafft werden muß. Sehr seltsam sind die Kopfbedeckungen, die zum Teil aus kunstvoll geschlungenen Tüchern, zum Teil aus Mützen und Kappen bestehen. Die Frauen halten sehr viel auf ihre Ehre. Lebt eine Frau oder ein Mädchen unsittlich, wird heute noch kurzerhand von der Sippe das Todesurteil gesprochen. Die Stellung der Frau ist, genau wie in der alten Zeit, eine ganz untergeordnete. Dieser Umstand ist sicherlich auf die Polygamie zurückzuführen. Der Mann ist der unumschränkte Herr, die Frauen sind die Sklavinnen. Bei der Heirat wird heute noch die Frau nicht nach ihrer Meinung gefragt. Das ist Sache der Eltern .o'der der älteren Geschwister, nietits anderes als ein Geschäft, genau wie ein Viehkauf auch. Zusammenfassend können wir sagen: Der Ftejlaehe mit seiner Familie ist infolge seiner elendeji sozialen Lage, seiner Abhängigkeit vom Klima und seiner übermäßigen Ausnützung durch seinen Herrn ein bedauernswertes Geschöpf, das, abgestumpft, geduldig und ohne jedes höhere Interesse dahinlebt. In vielen Stücken hat da>s Ffellachentum jedoch die alten Volkssitten treu bewahrt. III. Bei den C h a 1 u z i m. Etwas ganz Besonderes, Neuartiges haben die zionistischen Siedler ins Land gebracht. Aus allen Ländern des alten Europa, besonders aus dem Osten, haben sidh begeisterte Anhänger des Zionismus in Palästina angesiedelt. Unwirtliche Sumpfgegenden mit Fiebergefahr sind bereits in Plantagen umgesclhaffen. Mit hohen Schutt- und Geröllmassen überdeckte Gebiete der Jesreelebene entwickeln sich unfber den fleißigen Händeta der jüdischen Bauern — Chaluzim, d. h. Pioniere — zu fruchbaren Siedlungen. Das Neue, Erstaunliche an diesem jüdischen Aufbauwerk ist die Tatsache, daß ein Volk von Händlern und Luftmenschen sich nach jahrhundertelanger Entfremdung vokn Boden mit größter Begeisterung und Tatkraft zur Scholle zurückfindet. Aus den lichtarmen, muffigen, grauen Ghettos Osteuropas, aus Schreibstuben und Hörsälen hat sich eine Gruppe voin entschlossenen Pionieren zusammengefunden, um in den Ebenen Palästinas mitzuhelfen, den Grund zu legen zur nationalen jüdischen Heimstätte. Wenn wir aus den Fellachendörfern mit ihren uralten Sitten und Gebräuchen in die Zionistensiedlungen im Emek — Ebene Jesreel — kommen, werden wir eine ganz neue Welt antreffen. Hier ist nicht der Ort, über die wirtschaftliche Struktur

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