Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- Ländliches Volksleben in Palästina
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
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springt, wirft der Fellache mit der Wurfschaufel die ausgedroschene staubige Frucht auf der blankgefegten Tenne gegen den Wind, daß Staub und Spreu weithin fliegen. Da er genau weiß, daß ohne Allahs Segen kein Brot wächst, ist er mit seiner Familie der Gottheit von tiefstem Herzen dankbar für die Gabe des täglichen Brotes. Unter religiösen Zeremonien wird heute» noch in vielen Hütten das Brot an die Familienmitglieder ausgeteilt. Die Frauen müssen im Haus 'alle Arbeit tun, daneben aber auf den Feldern tüchtig mithelfen. Von weitem gesehen ein liebliches Bild, wie die Frauen in ihren dunkelblauen Gewändern ohne Schleier, jedoch mit funkelndem Münzgehänge auf dem Maisfeld oder im Weinberg arbeiten. Die Frauen sind sehr stolz auf ihre Münzen, die sie in den Zopf hineinflechten. Besonders die Hochzeitsmünze, ein Geschenk des Bräutigams, wird mit abergläubischer Sorgfalt und an auffallender Stelle getragen. Die Fellachenfrau hat ein hartes Los erwählt. Lange vor Tage muß sie aufstehen, um den Haushalt in Ordnung zu bringen. Sie quält sich mit der uralten steinernen Haidmühle herum, um den Tagesbedarf an Mehl zu schaffen. Eine ganze Flucht von Lehmbacköfen dient den einzelnen Sippen zum Brotbacken. Die flaJchen dünnen Brote werden gleich zu Hunderten hergestellt. Meterhoch prasseln die Flammen aus den mit trockenen Disteln und Dornen gefüllten Backöfen. In der heißen Asche werden die Brote gebacken. Der Frau obliegt die alleinige Sorge für die Kinder. Deshalb sieht man die Frauen nie allein. Ueberall, wohin sje die Arbeit führt, schleppen sie ihre Kinder mit bis herunter zum Säugling, der aus dem Gurt auf defm Rücken der Mutter uns erstaunt anschaut. 'Wir hatten immer das Gefühl, als*o'b die Frauen bei aller Liebe zu den Kleinen es an der rechten Soirgfalt fehlen ließen in hygienischer Hinsicht. Um die Augen eines kleinen Mädchens sitzen Hunderte von Fliegen. Das Fleisch un$er den Augäpfeln ist entzündet und aufgeschwollen. Die Mutter stört sich nicht daran. Kein Wunder, daß die ägyptische Augenkrankheit ungeheure Opfer fordert. Es gibt Fellachendörfer mit mehr als 50 Prozent Blinden! Unentrinnbar es Geschick! Wer einmal ein Haus betrat, in dem die Freuen gerade beim Kochen war,, wird gern wieder auf die heiße Gasse hinausgeflüchtet sein. Die Tränen strömen uns aus den Augen infolge des strengen, beißenden Kamelmistrauches. Die Stickluft im Haus ist für einen Europäer schlechterdings unerträglich. In der Regenzeit tritt zum Rauch noch der Oeldunst von der altertümlichen Lampe, die während der ganzen Nacht brennt. Wer wundert sich da noch darüber, daß heute die furchtbare Menschengeißel, die Lungentuberkulose durch das heilige Land schleicht? Die Nahrung der Fellachen ist denkbar einfaoh, fast das ganze Jahr hindurch Rohkost. Brot und Oel, Feigen, Weintrauben, Aprikosen, Kaktusfeigen und Granatäpfel, Melonen und Tomaten bilden die alltägliche Speise. Nur an Festtagen, Geburt und Beschneidung eines Sohnes, Hochzeit, Hausbau und Schafschur, wird ein Hammel geschlachtet. Beim Essen braucht der Fellache weder Messer no^ Gabel. Die Familie sitzt um die Schüssel herum und greift mit den Fingelrn zu. Das Fleisch wird in kleine Stücke zerrissen, der Reis wird zu' kleinen Kugeln geballt, die sie mit großer Geschicklichkeit über den Daumen im Mund verschwinden lassen. Jede Fellachensiedlung hat eine gemeinsame Wasserstelle, sei es Brunnen oder Quelle. Diese Wasserstelle ist einst für die Ahnen die Veranlassung