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Palästina · 1932-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1932) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1932)
Article
Ländliches Volksleben in Palästina
Date
1932-05-01
Page
Seite 173 (sequence 7)
Language
German
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dieser Siedlungen, die alle auf kommunistisch-kollektivistischer Grundlage aufgebaut sind, zu reden. Uns geht nur das neuartige Leben in diesen werdenden Baudörfern an. Sogleich fällt uns die Bauart der Häuser auf. Unter Ueberspringung des europäischen Baustils hat man seine Vorbilder aus Amerika geholt. Licht und Luft haben reichlich Zugang in die freundlichen Häuschen. Wenn erst die häßlichen Wellblechbaracken verschwunden sein werden, könnte man meinen in eine in der amerikanischen Steppe entstjehenide Farm versetzt zu seiin. Auch die Kleidung scheint dem wilden Westen entlehnt zu sein. Der breitrandige Filzhut, das Lederzeug der Reiter, ihre Mokkassins vollenden den Typ des freien Farmers und Cowboys. Sonnenverbrannte Gestalten begegnen uns auf den Feldern, in den Orangenhainen, Bananenpflanzungen, auf den Pferdekoppeln, den Rinder- und Schafweiden. Hier wird nach den mo'dernsten, wissenschaftlich errechneten Methoden gearbeitet, besonders in den Baumschulen. Motorpflüge, Traktoren, Lanz- Dreschmaschinen haben die arabischen landwirtschaftlichen Geräte verdrängt Die Frauen sind den Männern völlig ebenbürtig. Sie setzen ihren Stolz darein, genau dieselben Leistungen aufzuweisen wie die Männer. Sie arbeiten! in den modernst eingerichteten Molkereien, auf dem Geflügelhof, im Kuhstall, als hätten sie von Jugend auf nichts Anderes getrieben. In ihrer Art sind sie sehr frei,. doch nicht über das Ma!ß des! Anständigen hinaus. Sie tragen bei der Arbeit Hosen, rauchen ihre Zigaretten. Wir haben Anlagen, besonders Gärtnereien gesehen, in defrien nur Frauen zugelassen sind. Alle vorkommenden Arbeiten auf dem Geriet des Schreiners, des Maurers, des! Schlossers usw. leisten die Frauen. Wir sahen ehemalige Studentinnen Steine klopfen, Karren schieben, Speis tragen! Alle sozialen Unterschiede sind verwischt um des großen Zieles willen. Nicht einmal für ein Familienleben im europäischen Stil reicht die Zeit. Erst muß einmal das nationale Ideal verwirklicht werden. Die Kinder werden in Gemeinschaftserziehung im schön gelegenen und gut eingerichteten Kinderhaus durch tüchtige Kräfte herangezogen. W7ährend die Zeltlager der Beduinen, die Lehmdörfer der Fellachen von Kinder wimmeln, sieht man in der zionistischen Siedlung innerhalb des Erwachsenenviertels keine Kinder. Sie weilen in der Obhut des Erziehers oder der Erzieherin. Es berührt außerordentlich wohltuend, die peinliche Sauberkeit in den Bauernldörfern der» Chaluzim zu schauen, wenn man vor wenigen Stunden noch behende den schmutzstarrenden Frauen und Kindern im Fellachendo<rf ausweichen mußte. Noch ist alles erst im Werden. Die Anfänge sind vielversprechend. Der Enderfolg hängt jedoch nicht vom Fleiß der Chaluzim, nicht von guten Erntejahren ab, sondern einzig und allein von der englischen Palästinapolitik. Der Fellache hat schon manches von den sehr intelligenten zionistischen Bauern übernommen, aber in seiner Seele ist der Haß großgezüchtet worden gegen die Eindringlinge aus dem fernen Westen. Man fürchtet im Fellachendorf und im Beduinenlager den geistig überlegenen Julften. Man sieht in ihm den kömmenden Herrn Palästinas. Darum haßt man ihn und wartet auf eine günstige Gelegenheit, ihn zu vernichten. So wohnen und schaffen außerhalb der Städte des heiligen Lanides drei sich gegenseitig fremde Menschengruppen nebeneinander. Der alte, echte Orient mit seinem auf patriarchalischer Grundlage aufgebauten Volksleben

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