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Palästina · 1932-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1932) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1932)
Article
Ländliches Volksleben in Palästina
Date
1932-05-01
Page
Seite 170 (sequence 4)
Language
German
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von Großgrundbesitzern siqh befindet, ist der Fellache schon äußerlich in untergeordneter Lebensstellung. Man hat die Fellacjien nicht, mit Unrecht die modernen Sklaven, die Kulis Palästinas genannt. Nacji dem Buchstaben des Gesetzes sind sie frei, tatsächlich aber leibeigen, ihrem Effendi hörig von Geschlecht zu Geschlecht. Sie wohnen in armseligen Wohnungen, die in der Ebene aus Lehm und Stroh, im Gebirge aus unbehauenen Steinen erbauit sind. Wegen der großer» Holzarmut des Landes wird viel Eisen verwandt. Höchstens kommt zum besseren Halt des Daches Sykomoreriholz zur Verwendung. Ueber den Türen sieht man vielfach Kamelskinnbacken zum Schutz gegen böse Geister aufgehängt. Besonders zauberkräftig ist die blaue Farbe. So spannt man blaue Glasperlen über die Tür, hängt eine Knoblauchzwiebel oder ein Stück Alaun dazu. Das soll den bösen Blick abwehren. Die Dächer der Häuser sind flach und mit Geländer versehen. Während des Sommers schläft die ganze Familie oben auf dem Dach. Dije Inneneinrichtung des Hauses, das meist nur aus einem Raum besteht, ist denkbar einfach. Das Hauptstück ist der tragbare Ofen alus Lehm^ der wegen der furchtbaren Raumentwicklung im Freien angefacht wird. An die Wand angebaut sind die Behälter für Weizen und Früchte. Nicht fehlen darf ijn jedem Haus der tönerne Wasserkrug, oft mit greller Farbe bemalt. Einige Geschirre, Löffel und Pfannen vervollständigen den Hausrat. Betten gibt es nicht. Die Lehmbänke. an den Wänden des hinteren Zimmerteils, der höher liegt als der vordere^ werden wäjhrenld der Regenzeit mit Matten belegt und dienen als Bett. Die Löcher zwischen den Bänken und der Wand werden als Vorratsräume benützt. Nischen in der Mauer sind Kleiderschränke. Eine kleine Oeffnung neben der Tür läßt den Rauch abziehen. Im Sommer hält sich der Fellache wenig im Innenraum auf, er ruht im Schatten seines Hauses oder weilt mit seiner ganzen Familie in der Laubhütte auf dem Feld oder im Weinbejrg. Erst im Winter mit Beginn der« Regenzeit nimmt er seinen Aufenthalt im Haus, zusammen mit seinen Tieren, die im tiefer gelegenen Teil des Raumes hausen. Die Kleidung des Fellachen ist völlig schmucklos. Sie besteht aus einem langen weißen oder gestreiften Hemd. In der Nähe besehen zeigt das „Weiß" starke „Patina". Man lernt staunen über den Schmutz, den diese armen Bauernsklaven mit sich herumtragen». Die Wasserarmut ist schuld daran. Wir haben uns erzählen lassen von dem harten Kampf, den den Fellache mit der Wassernot und mit den Heuschrecken führen muß. Sein Durchschnittseinkommen im Jahre soll nach zuverlässigen Angaben 80 bis 100 Mark betragen. Wir wundern uns nicht mehr über die Verwahrlosung der Männer und Frauen und vor allem der Kinder. Daß sich bei vielen anstelle der Kleider in der Nähe njur Lumpen feststellen lassen, findet seine Erklärung in der trostlosen Lage und hoffnungslosen sozialen Sbelluäig des Fellachen. Wie vor 4000 Jahren wird heute noch das Land bestellt. Mit vorsintflutlichem Pfluge, einem zurechtgeschnitzten Baumast, ritzt der Fellache den harten Boden. Mit dem von den Vätern ererbten Dfreschschlitten drischt er den goldenen Weizen aus den Aehren. Sein Weib sitzt auf dem Dreschschlitten unter einem grellfarbigen Sonnenschirm ganz zusammengekauert, und treibt mit dem Ochsenstecken Ochs und Esel an. Sobald Wind auf-

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