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Palästina · 1932-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1932) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1932)
Article
Ländliches Volksleben in Palästina
Date
1932-05-01
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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nicht als unehrenhaft. Am nächsten Morgen sind die Weideplätze der zionistischen Siedlungen leer und tdt. So einfach die Beduinen leben, so reich sind sie an beweglicher Habe: an Vieh. Hunderte von Kamelen weiden als ihr lebendes Vermögen, rassige Pferde sind ihre Wonne. Bissige, wohl dressierte Hunde in großer Zahl verstellen dem Fremden den Zugang zum Zelt. Es muß zum Ruhm der Beduinen gesagt werden, daß sie uns nicht mit dem üblichen „Bachschisch" belästigen. Einmal nur hat ein kleiner, entsetzlich schmutziger, ungekämmter Knabe das liebliche Wort uns zugerufen und die Hand ausgestreckt, bekam aber von der Mutter mit zornigem Blick einen Klaps auf das ausgestreckte Händchen. Früh am Morgen, wenn kaum die Sonne da ist, gehen die Frauen ans Brotbacken. Dünne Fladen Teig werden in die heiße Asche gebettet und nach einiger Zeit herausgeholt. Schon längst ist die Frau an der Arbeit, wenn der Hausherr aus seinen Decken und Fellen schlüpft, fix und fertig, wie er am Abend hineinkroch. Da er ja doch währen^d der Nacht mehrere Male aufsteht und lustwandelt, zieht er sich überhaupt nicht aus. Vielleicht hängt diese Gewohnheit auch zusammen mit den zahlreichen Ueberfällen, die früher vorkamen. Auch Wachsamkeit gegenüber den Feinden seiner Herden ist durchaus geboten. Der Wolf schleicht heute noch in dunklen Nächten nach Beute. Ueber eins werden wir Europäer, die wir nur für kurze Zeit im Lande weilen, uns nie klar werden: wovon die Beduinen in der kahlen Steppe leben. Die Frauen bereiten eine seltsame Mahlzeit, die aus einem unappetitlichen grauen Gemenge besteht. Was für Bestandteile darin enthalten sind, war mit dem besten Willen nicht festzustellen. Zuerst essen die Männer, was sie übriglassen, gehört den Frauen. Nur an den Feiertagen wird Fleisch gegessen: Hammel mit Reis. Im übrigen leben diese Nomaden trotz ihres Viehreichtums sehr dürftig als echte Wüsten- und Steppenkinder, denen die Natur bis 'auf karges Gestrüpp und Disteln alles vorenthalten hat. Und doch, wenn man die nur notdürftig gekleideten braunen Kinder mit Schaf und Esel spielen sieht, muß man seine Freude haben an diesen urwüchsigen, sonnverbrannten Naturkindern auf dem Boden des heiligen Landes. Der freie Beduine ist von echter Nomadenart. Sein kriegerischer Geist, sein Ehrgeiz, seine Schlauheit und seine Menschenkenntnis sind im ganzen Land bekannt und gefürchtet Zäh hält er an der alten Sitte fest, wenn er auch gegenüber Neuerungen aus dem Abendland, soweit sie seine Religion nicht berühren, durchaus nicht ablehnend ist. Grammophon und Zigarette haben sich bereits das Beduinenzelt erobert. In einem Punkt jedoch halten sich unentwegt fest ah dler alten Sitte dder besser gesagt, Unsitte, nämlich in der Behandlung der Frau;: Die Frau gilt bis au|f den heutigen Tag als minderwertig gegenüber dem Ma'nin. Sie ist ihm nicjhts anjaeres als Arbeitstier und Dienstmagd. II. Bei den Fellachen. Wir ziehen aus dem Zeltlager der Beduinen hinüber ins bebaute Land und begegnen dort einem ganz andern Menschenschlag arabischen Blutes: den Fellachen. Da der Boden zum weitaus größten Teil in den Händen

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