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Palästina · 1932-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1932) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1932)
Article
Ländliches Volksleben in Palästina
Date
1932-05-01
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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gegnen, sei mir erwähnt. Da sie ihjrfe ganze Lebenshaltung, ihre Sitten und| Gebräuche aus der alten schwäbischen Heimat treu bewahrt haben, bildet das; Leben in ihren Siedlungen in der Saronl-Ebene und um Haifa für unis nichts Neues und Eigenartiges. Dagegen finden wir bei den Zionp-sten am See von Tiberias und im Emek so viel Neugestaltung, daß wir nicht gut daran vorübergehen können, ohne gefesselt zu werden von dem starken und nleuen Volksleben, das sich auf dem alten Boden entfaltet.;I. Bei den Beduinen. Wir Europäer werden sofort aus unserer dufroh das Klima bedingten Müdigkeit emporgerissen, wenn wir dein ersteh Ztelltlagar der Beduinen begegnen. Ein völlig Neues tritt in unseren Gesichtskreis: Orient! Schwarze Zelte, über Pfähle gespannt, bilden die Wohnung der bnaunen Wüsterfsöhne. In ihrer ganzen Art, in ihren Bewegungen, in ihifem Gesicht liegt etwas Windhundartiges. Sehnen, Muskeln, Knochen! Scharf geschnittene Gesichter mit feurigen schwarzen Augen. Im Norden Palästinas haben die Männer ein Zelt für sich, Frauen und Kinder ebenjfälls nicht weit vom Mannewzelt entfernt. Am See Genezareth und am Taten Meer sahen wir die beiden Geschlechter durch einen Vorhang in der Mitte des Zeltes getrennt. Ein unruhiges Volk! Diese Unruhe mag mit dem unstetem Leben des Nomaden, doch sicher auch mit dem Klima zusammenhängen. Eine bestimmte Schlafenszeit kennt der Beduine nicjit. Er schläft, wann immer ihm die Augen zufallen. Der Nachbar deckt in aller Gemütsruhe den Teppich über sein Haupt. Darum ist im Zeltlager immer, auch während der Nacht Leben. Nach ein paar Stunden Schlaf stehen sie auf, rauchen eine Zigarette oder saugen an der Nargileh, nehmen einen Schluck Wasser aus dem irdenen Krug oder trinken aus der winzigen Tasse den starken Kaffee. Vom frühen Abend an züngeln die blauen Flämmchen vom Kamelmistfeuer über die Steppe hin. Darüber brodelt das Kaffee- oder Teewasser. Vielleicht hat sich in diesen Feuern alte Hirtensitte erhalten: Abwehr vder wilden Tiere durch den Feuerschein. Sobald die Sonne im Wösten sinkt und die Feuerchen aus deij kahlen Steppe aufspringen, kehren die oft weitab vom Zeltlager weidenden Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen zu den Beduinen zurück. Dann beginnt rings um das Lager eine eigenartige Musik, fremdartig unjd anheimelnd zugleich: Das Mahlen der Kiefer. Die ganze Naqht hindurch liegen die Lieblingstiere der Beduinen, die Dromedare, still an ihrem Platz und mahlen wiederkäuend das harte Gestrüpp der Stepple, daß der Tag ihnen schenkte für ihren mehr als genügsamen Magen. Sie mahlen unablässig zu Hunderten. Das ist der Grundton der Lebensmelodie im Beduinenlager, das ist der Untergrund des ganzen Beduin^ndaseine. Im Zeltlager gibt es kein Wachsen und Reifen des inneren Menschen. Der Beduine ist vom Knaben bis zum Greise ein fertiger Mensch. Arbeit kennt er nicht. Dazu sind die Frauen da. Das Einzige, was an Tätigkeit erinnert, ist das Weiden umd das Wiederkäuen der Kamele. Die Seele des Beduinen ist ohne Entwicklung, nur der Körper wächst. Die Männer sind gastfrei. Sie bieten uns ein Schälchen ihres entsetzlich starken Kaffees an mit viel Zucker. Das ist ihr einziger Genuß neben dem Tabak. Dazwischen wird die Langeweile einmal unterbrochen durch einen ritterlichen Raubzug hinüber ins Emek zu den Chalueim. Das gilt durchaus

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