Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- Ländliches Volksleben in Palästina
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 167 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2379786-2379900-2379904-2395256--13523-2395533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ländliches Volksleben in Palästina. 167 Von Pfarrer D. Emil Lind, Speyer. Vorbemerkung der Redaktion. Wir entnehmen diesen Artikel mit Erlaubnis der Redaktion der Zeitschrift „Der Orient", Palästinaheft November—Dezember 1931, da wir annehmen, daß unsere Leser diese lebendige und objektive Schilderung eines Nichtjuden interessieren wird. Wir drucken den Artikel vollinhaltlich ab, nur zu der Schluß bemerkung über den blutigen Haß, der zwiscfhen Arabern und Juden besteht, wollen wir nur sagen: Seitens der Juden hat niemals auch nur der geringste Haß bestanden und auöh die Araber, falls sie nicht aufgestachelt werden, hegen keinen originären Haß gegen die Juden, überall gibt es einen freundnadhbarlichen Verkehr. Dies bestätigt auch im selben Heft des „Orient" Rectqr Eberlhardt in einem Artikel über das Nationalitätenproblem. Der Autor hat kürzlich ein Buch: Arabismus und Zionismus erscheinen lassen (siehe die Rezension in dieser Nummer), in dem er warme Sympathie und ein fühlendes Verständnis für die zionistische Arbeit zeigte, wie sie auch in nachfolgender Schilderung zu fühlen sind. Der Deutsche, der duxch die Gaue Palästinas reist, sieht überall die Geschehnisse und Gestalten der Bibel lebenüig werden. Der Weg der Reisenden führt meist auf ausgetretenen Pfaden zu TVümmerstätten vergangener Größe. Es mag sicherlich seine Reize haben, die Stätten zu schauen, an denen einst ein bedeutungsvolles Leben sich abspielte. Wer jedoch das Land wirklich kennen lernen will, muß außerhalb der Stadt in den ländlichen Lebenjskreisen» seine Studien machen. Er wird zwar bald da un»d dort Ansteckung durch die westliche Zivilisation feststellen müssen, kann aber trotzdem noch allenthalben* echten Orient mit unverfälschtem orientalischen Volksleben entdecken. Während in den Städtern; besonders in Jerusalem, das Kultur- und Rassengemisch über die Grenze des Annehmbaren hinausgeht, ist auf dem Lande mit seiner starken konservativen Haltung der alte Orient inoeh lebendig. Während in' den amerikanisch-großstadtmäßig aufgeschossenen Städten am Meer die Maschinen rattern und der Fabrikärheiter das Eeld beherrscht, treten auf dem; Lande die uralten patriarchalischen Sitten und Gebräuche vor unser Auge, daß wir manchmal meinen könnten, um 4000 Jahre zurückversetzt zu sein. Es ist infolge der verschiedenartigie/n Bevölkerung des kleinen Landes nicht? möglich, eine einheitliche Schilderung des läradllchen Volkslebens zu geben. Die zwei großen Gruppen, die heuite das Land besitze^, und ihm sein Gepräge geben, sind Araber und Jufden. Die Araber, zum weitaus größten Teil Moslems, zerfallen wieder ganz schärf in zwei Schichten mit typischen Merkmalen: Beduinen und Fellachen. Die Juden, die wir auif dem Lande antreffen^ sind grundsätzlich verschieden von den Stadtjuden. Sie sind vom Handel und: vom Geistmenschentum zur Scholle zurückgekehrt als Pioniere eiries neuen Reiches, des jüdischen Nationalstaates „Brez Israel". Daß uns daneben noch leinige Hundert württemfoergisohe Bauern oder besser gesagt Gutsbesitzer be-