Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Absatzpropaganda und Exportförderung nach Palästina und dem mittleren Orient
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 106 (sequence 3)
- Language
- German
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der nach. Palästina liefernden Exporteure, den palästinensischen Kaufmann dazu, zu ermutigen, sein Geschäft nach modernen Richtlinien zu betreiben, die Erzeugnisse modernen Geschmacks und moderner Technik ins Land einzuführen, ihm zu zeigen, wie man Waren effektvoll ausstellt und anbietet, wie man die Kauflust anreizt und in bestimmte vom Produzenten gewollte Richtung lenkt. Was so erreicht werden kann, dafür bietet der Erfolg der in Palästina und im ganten vorderen Orient in ganz europäischer Weise betriebenen „Bata-Schuhläden" ein beweiskräftiges Beispiel. Es ist nämlich keineswegs so, als ob man in Palästina nicht reif für sachliche Ausführe ig und Qualitätsarbeit wäre. Ganz im Gegenteil: der moderne Baustil setzt sich z. B. überraschend weitgehend durch und in die neuartigen Häuser werden ganz moderne, im Lande selbst erzeugte Möbel gestellt, wie überhaupt das moderne Kunstgewerbe das Land mehr und mehr erobert. Aber der Import ins Land hinkt nach. Es fehlt an anständigen Türbeschlägen, an neuartigen Vorhang- und Gardinenstoffen, an hübschen Tischdecken, an gutem Gebrauchsporzellan, an modernen Kücheneinrichtungen, an allen den Gegenständen des täglichen Bedarfes, die die Haushaltführung erleichtern oder das Leben sonst» angenehm machen. Schöne Wäsche, vor allem Leibwäsche, fehlt, die hübschen Badekostüme, die man am Strande sieht, sind meistens aus Europa mitgebracht (dabei hat Tel Aviv eine fast neunmonatige Badesaison und zeigen sich unsere; Frauen und Mädchen genau so gerne gut angezogen wie anderswo), erst ganz neuerdings beginnt man, gute Damenkonfektion sehr vereinzelt in ganz wenigen Geschäften zu zeigen (auch hier wird das meist noch von der Reise mitgebracht), die billige Qualitätsware in Herrenkonfektion, die jetzt in Europa einen solchen Siegeszug angetreten hat, ist überhaupt noch ganz unbekannt.. Nachdem der Preis für elektrischen Strom im ganzen Lande — mit der bedauerlichen Ausnahme Jerusalems (das nicht von Ruthtenberg versorgt wird) — auf ein vernünftiges Maß herabgesetzt sind, sollte es doch das Gegebene sein, all die vielen kleinen elektrischen Gebrauchsgegenstände einzuführen, die in einem Lande, wio die Dienstbotenfrage ein viel schwierigeres Problem darstellt, als in Europa, und wo das Klima, so wie so zur sparsamen Verwendung der Körperkräfte zwingt, viel weniger einen Luxus darstellen, als in Europa. Aber dazu muß das Publikum erzogen werden und diese Erziehung kann ebensowenig einseitig auf die Schultern des Detaillisten gelegt werden (der ja meist noch selbst dazu erzogen werden muß), wie das anderswo möglich war. Der Import nach Palästina würde ganz gewiß nicht schlecht fahren, wenn er sieh viel mehr auf den europäischen Lebensstandard einstellte, als auf den orientalischen. Die Einheimischen betrachten uns Europäer als ihre Lehrmeister in Lebensführung und Geschmack. Sie werden unsf genau so gut das Schöne und Vernünftige abgucken, wie sie leider allzugerne unsere Schwächen und Laster von uns übernehmen. So könnte eine außerordentliche Vermehrung des Konsums erzielt werden. Wenn man bedenkt, wie gerne der Orientale sich mit mechanischem Spielzeug abgibt, ist es klar, daß eine einigermaßen ausreichende Absatzpropaganda ungewöhnliches für den Mehrverkauf von photographischen Apparaten und Artikeln, Grammel? phonen und Radioapparaten tun kaim. Da»s gleiche gilt für Kleinautos und Motorräder, die in einem Lande, mft so gering entwickeltem Eisenbahnverkehr und so gutem Straßennetz wie Palästina, geradezu Bedarfsgegenstände darstellen.