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Palästina · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Absatzpropaganda und Exportförderung nach Palästina und dem mittleren Orient
Date
1932-03-01
Page
Seite 105 (sequence 2)
Language
German
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Gegenteil die Fabrikanten von Qualitätswaren oder Neuheiten, die durch eine ausgedehnte systematische Propaganda das kaufende Publikum und auf dem Wege über das Publikum die Händler dazu erzogen, in Qualität und Geschmack hochwertige Erzeugnisse zu verlangen. Jene eingangs erwähnte Porzellanfirma, z. B. unterhält heute noch in den meisten Hauptstädten der Welt eigene Niederlagen und betreibt überhaupt eine ausgedehnte Ko^sumentenpropaganda, und ihre Konkurrenz tut das gleiche. Aber dieselben Fabrikanten und Händler halten Bemühungen dieser Art oder auch nur einen geringen Teil davon für den Orient für zwecklos. Und verzichten damit auf den Export in jene Länder. Es steht nicht anders um die Erzeugnisse der modernen Technik. Welche Mühe wenden die Fabriken an, um — sagen wir zum Beispiel — Staubsauger populär zu machen. Vom Schauladen bis zur Vorführung im Hausfrauenverein, von der seitengroßen Anzeige in den illustrierten Zeitschriften bis zum Reklameumzug auf der Straße war und ist nichts zu teuer, um der Hausfrau klar zu machen, daß der Gebrauch eines Staubsaugers unerläßlich zum Lebensglück ist. Ins kleinste Dorf kommt der von der Fabrik reichlich mit Propagandamaterial und Kommissionsware ausgestattete Detailreisende und verkauft seine Staubsauger auf Abzahlung. Aber das alles scheint dem Exporteur nicht für den Orient zu gelten, der sich jetzt mehr und mehr elektrifiziert und wid z. B. Palästina nicht nur eine starke an derartige Gebrauchsgegenstände gewöhnte Einwanderung hat, sondern auch unter der Staubpiage mehr leidet, als europäische Länder. Man könnte viele ähnliche Artikel anführen. Es wäre an der Zeit, daß die Fabrikanten und Exporteure im Auslande begännen, den Orient un!d vor allem die dort noch «schlummernden Möglichkeiten der Absatzvergrößerung und Geschmacksverfeinerung positiver zu betrachten, als sie dies jetzt tun. Welche Chancen hier bestehen, dafür bietet Palästina ein überzeugendes Beispiel. Unter dem Einfluß der jüdischen Einwanderung europäisiert sich Palästina ungemein schnell. Die jüdischen Einwanderer ,di© sich neuerdings mehr als früher aus besitzenden Kreisen rekrutieren, bringen europäischen Lebensstandard und europäische Konsumbedürfnisse mit sich. Der palästinensische Detaillist aber, der in der Regel noch aus einer früheren Epoche der Einwanderung stammt, d. h. aus kleinen und kleinsten Verhältnissen kommt, der im Lande kein Vorbild für einen modern aufgemachten Laden oder einen europäisch orientierten Betrieb sieht und der von seinen Lieferanten keine Unterstützung bei einem eventuellen Versuche, sich „auf Europa" umzustellen erfährt, betreibt sein Geschäft fast ausnahmslos so, wie er es seinerzeit in seinem polnischen oder russischen „Städtel" gewohnt war. So kann der an verfeinerte Bedürfnisse gewohnte Europäer seinen Bedarf nur in einem beschränkten Ausmaße im Lande selbst decken, alles „Bessere" bringt er sich von seinen Reisen ins Ausland mit, otder aber er muß darlauf verzichten. Dem palästinensischen Handel gehen somit recht beträchtliche Summen verloren, die anderswo ausgegeben werden und noch mehr, die nicht ausgegeben werden,, weil er sich nicht auf die Bedürfnisse einer höheren Lebenshaltung einstellt. Solange nicht modern geschulte Detaillisten ins Land einwandern und dort moderne Läden aufmachen*), wäre es nicht zum wenigsten die Aufgabe *) Vgl. den Artikel „Möglichkeiten der Privatwirtschaft in Palästina" in Nr. 10/11, 1931, <L B.

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