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Palästina · 1932-03-01 · Heft 3-4 (März 1932) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 3-4 (März 1932)
Article
Absatzpropaganda und Exportförderung nach Palästina und dem mittleren Orient
Date
1932-03-01
Page
Seite 107 (sequence 4)
Language
German
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Es ist leicht einzuwenden, raß das mangelnde Angebot Zeichen einer mangelnden Nachfrage und geringen Kaufkraft der Bevölkerung sei. Wir wissen heute sehr gut, daß das Angebot der Nachfrage vorangeht und nicht umsonst hat Amerika uns gezeigt, in welchem Ausmaße man Nachfrage schaffen kann. Dabei soll keineswegs auf amerikanische Verhältnisse exemplifiziert werden. Aber das Angebot an guter oder geschmackvoller Ware oder an Neuheiten ist in Palästina noch so gering, daß es jetzt schon der Nachfrage gegenüber nicht mehr genügt. Andererseits ist diese bei einem großen Teil der Bevölkerung noch so unentwickelt, daß auch schon ein kleiner Anstoß eine gi*oße> Bewegung auslösen könnte. Heute ist der Europäer im Lande gezwungen, auf den einheimischen Konsumentenstandpunkt herunter zu gehen. Es wäre keineswegs so schwierig, den einheimischen Konsumenten zu einem einigermaßen europäisch zu nennenden Kaufverlangen zu, erziehen, und damit auch gleichzeitig den normalen Bedürfnissen der europäischen Bevölkerung nachzukommen. Was in der Hinsicht möglich ist, hat die Entwicklung des Strandlebens in den letzten Jahren gezeigt. Es ist noch kein Jahrzehnt her, daß der Großteil der palästinensischen Juden in dem gemeinsamen Baden am Strande etwas Anstößiges erblickte. Aber das Beispiel der englischen, deutschen und amerikanischen Einwanderer und vor allem Einwattilderinsnfen, hat genügt, eine radikal« Aenderung hervorzurufen. Und heute ist der sehr belebte Strand von Tel y^viv — übrigens eines der zukunftsreichsten Unternehmungen des Landes — voll von jungen und alten Jucfen und Jüdinnen aller Herkunft, polnischer und kurdischer, amerikanischer und jemenitischer, chassidischer und assimilatorischer im Badekostüm. Nirgendwo zeigt sich der jüdische Schmelztiegel Palästina im wahrsten Sinne des Wortes so uöverhüllt, wie am Strande von Tel Aviv. Und nirgendswo kann man den Kulturutoschwufcig, die Geschmacksrevolution die Europäisierung des Landes besser beobachten, als gerade dort. Und die Araberinnen aus Jaffa und Jerusalem, die eigens zum Strande gefahren kommen, sitzen neidvoll oben au/f d»n Dünen und schauen bewundernd und eifersüchtig auf ihre jüdischen Schwestern. Auch der Einwand der mangelnden "Kaufkraft ist nicht durchschlagend/. Das Land ist heute in einem wirtschaftlich ungleich gesünderen Zustand als die meisten auropäischen und amerikanischen Länder. Man hat es — keineswegs zum Vorteil des Landes — noch nicht verstanden, die Kaufkraft zu wecken — aber das ist, wie die Dinjge nuki einmal liegen, nicht zum letzten eftne Aufgabe des ^Produzenten oder des Exporteurs. Wie groß immerhin schon jetzt in dem kleinen Lande das Verlangen nach Anschluß an die Kulturwelt draußen ist, dafür spricht die Tatsache, daß die drei Städte Jerusalem, Tel Aviv und Haifa mit zusammen 200.000 Einwohnern, wovon etwa zwei Drittel Juden, nicht weniger als sieben ausgezeichnet ausgestattete Tonfilmtheater und dazu noch ein paar Theater für stummen Film aufweisen. Aucjh die verhältnismäßige Kleinheit Palästinas ist kein Einwand. Dieses Land wird beispielgebend für den ganzen mittleren Orient wirken. Seine ausgezeichnete verkehrsgeographische Lage und die rasche Entwicklung, die es. dank der jüdischen Einwanderung nimmt, bestimmen es in einem besonders hohen Grade dazu, zivilisatorischer Mittelpunkt des ganzen Gebietes von Haifa bis Bagdad und von Mossul bis Alexandrien zu werden. Gerade in bezug auf den Import nimmt es, trotz der absoluten Kleinheit aller Ziffern, im Vergleiche? mit seinen Nachbarländern schon jetzt eine führende Stellung ein. Der Wert

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