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Palästina · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 53

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Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1932-01-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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halb derselben politischen Einheit der mutmaßlich dann entstehenden arabischen Föderation, eine aufstrebende jüdische Diaspora ansäßig wäre. Die Entscheidung, die vor der zionistischen Welt stünde, wenn wirklich Vorschläge dieser Art von arabischer Seite ausgehen sollten, wäre überaus schwierig. Man kann ohneweiters annehmen, daß ein großer Teil der zionistischen Welt: solche Vorschläge mit Erbitterung und Entrüstung zurückweisen würde. Da aber in der Politik nicht nur Leidenschaften und Affekte das Wort haben können, so müßte dann auch klar gesagt werden, was nun eigentlich zionistische Politik im realen Rahmen Palästinas erstrebt und mit welchen Mitteln sie ihr Ziel erreichen will. Wie wenig Klarheit in weiten zionistischen Kreisen in dieser Beziehung bestehen, bewies die revisionistische Konferenz, die zu Weihnachten in Warschau stattfand und nicht nur in der zionistischen Presse Staub aulgewirbelt hat, sondern auch in englischen Kreisen Beachtung fand. Man wird diese Konferenz? weniger hart beurteilen, wenn man sich klar macht, daß sie nur einem allgemeinen Zeitzustand entspricht. Die große geistige Krise, die den europäischen; Kontinent überzieht, hat ja auch in der Politik überall ihren Niederschlag gefunden und die politischen Farmen selbst sind derart geworden, daß sie zu Absurditäten geradezu verführen. Sucht doch in derartigen Konferenzen und? Versammlungen jeder Führer nur ein Autidorium für seine Proklamationen, die er in möglichster Uebereinstimmung mit den Neijgungen der Hörer zu formulieren sucht, ohne sich irgendwelcher Konsequenzen bewußt zu sein. Wh* kennen auf allen europäischen Plattformen heute den Typus des Politikers, der mit möglichst energischer gtimme radikale Forderungen verkündet, ohne in seinem Inneren zu wissen, wohin der Weg eigentlich führen soll. In Warschau nun haben die revisionistischen Führer England eine Lektion gegeben. Jabotinskys Rede war derart, daß sie in verschiedenen Versionen verbreitet werden mußte, aber selbst wenn wir uns an die mildeste Version halten, die der Redner selbst in seiner Zeitschrift an die „Times" als authentisch hinstellt, so ergibt sich noch immer ein recht verworrenes Bild. Jabotinsky belehrt die Engländer, welche Natten sie an ihrem Busen großziehen, wenn sie die panislamitische Bewegung fördern. Zugleich beklagt er, daß England seine .kolonisatorischen Elane verloren hat und daher nicht für die Einrichtung des von den Revisionisten geforderten Kolonisationsregime in Palästina zu haben seien. Er knüpft daran zweierlei Drohungen: einerseits würden 15 Millionen rJuden von England abfallen, andererseits würde man nach einer anderen Mandatsmacht Umschau halten. Diese beiden Drohungen verbergen nur die Tatsache, daß der revisionistische Führer in Wahrheit aus der Sachlage, keinen Ausweg weiß. Dies muß jeder bedauern, denn in der heutigen schwierigen Lage würde man es begrüßen, wenn in irgendeiner zionistischen Gruppe — Parteigegensätze sind hier nicht am P'latze —' ein praktikabler Ausweg gewiesen würde. Daß England in bezug auf Palästina keinen kolonisatorischen Elan hat, ist keine Entdeckung. Seit 1921 und vielleicht sogar schon früher war es vollständig klar, daß die Engländer Gewaltmaßnahmen im Interesse der jüdischen Kolonisation nicht anwenden werden. Darum sagte Weizmann immer, wir hätten es heute mit einem anderen England zu tun, als vor dem Kriege, Die Wandlungen in Irland, Aegypten, Indien usw. sprachen schon damals eine deutliche Sprache. Daß die große Mehrheit der Zionisten diese Tatsachen nichÄ sehen wollte und auch Weizmanns Warnungen nicht zur Kenntnis nahm,

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