Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
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stellt wird; politisch, weil dadurch die Auffassung, man könne für die betreffenden Araber keinen anderen Platz in Palästina finden, bestätigt werden soll, was für die Gegner des Jüdischen Nationalheims einen beträchtlichen Agitationswert hat. Nun scheint aber in den letzten Wochen doch wieder der Kampf um die zentrale Frage, um die staatsrechtliche Verfassung Palästinas, entbrannt zu sein. Kurz nach dem Amtsantritt des n^uen High Commissionersv Sir Arthur Wauchope, haben die Führer der Araber einen Vorstoß bei ihm unternommen und ihm ihr Programm einer konstitutionellen Regierung Palästinas unterbreitet. Ueber den Inhalt dieser Unterredung sind Einzelheiten nicht bekannt, doch wurde gemeldet, daß der High Commissioner sich darüber ausführlich mit dem Vertreter der Jewish Agency, Dr. Arlosoroff, ausgesprochen *habe. Die Forderungen der Araber scheinen diesmal besser vorbereitet zu sein als sonst. Vielleicht hat gerade die moslemische Konferenz, durch die die palästinensischen Araber mit realpolitisch geschulteren moslemischen Persönlichkeiten anderer Länder zusammen kamen, hier mitgewirkt., Auch der Besuch des Exkedhiven Abas Hilmi, der auf einer geheimnisvollen Mission Palästina, Syrien und die Türkei besuchte, und vom Gerjacht als Kronprätendent für Syrien bezeichnet wurde, hat vielleicht auf die Araber einen gewissen Einfluß ausgeübt. Die Vorschläge, die von den Arabern dem High Commissioner gemacht wurden, sind natürlich in ihrten Einzelheiten nicht bekannt. Doch ist darüber manches über den /einigsten Kreis hinausgedarungen und der Führer der Revisionisten, Meir Grossman, der nach seiner Auffassung als Oppositionsführer, nicht zur Diskretion verpflichtet ist, hat der Presse einige Punkt© mitgeteilt, die angeblich in den arabischen Vorschlägen enthalten sind. Wenn? Grossmans Mitteilungen, die von anderer Seite bisher nicht ausdrücklich dementiert wurden, richtig sind, dann würde freilich eine Tatsache von größter« Tragweite vorliegen. Denn die arabischem Vorschläge würden dann eine prinzipielle Anerkennung des Gedankens des Jüdischen Nationalheims enthalten und den auch in jüdischen Kreisen bereits vielfach «erörterten Gedanken der Kan'tonal-Verfassung für Palästina akzeptieren. Die Araber schlagen nach Grossman vor, daß Palästina in je einen jüdischen und arabischen Rayon verwaltungsmäßig geteilt werden soll, wobei die Stadt Jerusalem eine Sonderstellung erhalten müßte. Auf dieser Basis eines jüdischarabischen Ausgleichs soll dann eine Verfassung gegeben werden, die eine parlamentarische Regierung für ganz Palästina, Ostjordanland eingeschlossen, einsetzt. Diese neue Regierung soll dann mit Großbritannien einen Vertrag nach dem Vorbild des Irak abschließen. Da auch für Syrien eine ähnliche Lösung von den Franzosen in Aussicht gestellt wurde, so würde dann das Problem der A-Mandate in einheitlicher Weise geregelt sein. Es ist natürlich unmöglich, zu einem Projekt Stellung zu nehmen, dessen Einzelheiten nicht authentisch mitgeteilt sind. Gerade bei derartigen Fragen gewinnen Nuancen oft eine überragende Wichtigkeit. Es ist auch anzunehmen, daß von arabischer Seite kaum ein Projekt vorgelegt werden wird, das die Zustimmung der Juden erhalten kann. Aber die Frage, die wir vor uns sehen, ist nicht die einer Zustimmung oder Ablehnung einzelner Paragraphen, sondern die, ob überhaupt im Prinzip eine derartige Konzeption zum Ausgangspunkt von Unterhandlungen gemacht werden kann und soll. "Die Antwort auf diese Frage wird verschieden ausfallen, je nach dem, was man von der