Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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Kolonialmächte zu zerstreuen. Die Propaganda gegen das Jüdische Nationalfäeim, die vor allem wieder mit starker religiöser Motivierung betrieben wurde, ließ man ungehindert geschehen, obwohl ja rein formell gesehen auch das Nationalheim als Bestandteil des Mandates tinter der Autorität des Völkerbünde» steht. In dieser Zeit ruhten jedoch die politischen Hauptfragen. Es schien, als ob die Regierung sich die von der englischen Zeitschrift „Near East and India" seit Jahren propagierte Devise zu eigen gemacht hätte, die Politik in Palästina zugunsten konstruktiver wirtschaftlicher Arbeit in den Hintergrund zu drängen. Man hatte erkannt, daß die Politik sich totgelaufen hat, und hoffte, auf dem Wege der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leichter zu einer Lösung zu kommen, indem sich zeigen sollte, wie die Siedlungsverhältnisse und Siedlungsmöglichkeiten in Wahrheit liegen, und welche Zukunftschancen auch fürt die Vergrößerung des Jüdischen Nationalheims im Rahmen der wirtschaftlichen Gegebenheiten bestehen. Dies war offenbar auch der Gedanke der Arbeiter- Regierung Mac Donalds, als deren Chef Mac Do^nald den bekannten Brief an Dr. Weizmann vor nun fast einem Jahre geschrieben hat. In diesem Brietf wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Arbeiter-Regierung die erste englische Regierung ist, die auch materielle Mittel für den Aufbau des Landes* zur Verfügung stellt. Inzwischen ist freilich durch die englische Finanzlage die geplante Palästina - Anleihe fraglich geworden. Aber die Arbeit des ernannten Landentwicklungsdirejktors French, der zunächst die Registrierung* der landlosen Araber durchführen sollte, ging weiter und der erste Berichtj Frenchs ist programmäßig Ende Dezember dem Kolonialamt überreicht worden. Die politische Tätigkeit der Jewish Agency bestand in dieser Zeit im wesentlichen darin, ihren Standpunkt gegenüber French und seinen Mitarbeitern zur Geltung zu bringen. Erschwert Wurde dies dmreh die Nichtctrne>nnung des jüdischen Beraters, der ebenso wie ein arabischer in der ursprünglichen Instruktion vorgesehen war. Die Jewish Agency verweigerte die Bestellung eine» solchen Funktionärs, weil sie fürchtete, dies könnte als Zustimmung zur Bodenpolitik «der Regierung aufgefaßt werden. Die Bodenpolitik aber ist bisher nicht geklärt, da die Passfieldsdhen Gesetzentwürfe, die eine starke Beschränkung des Bodenverkaufs vorsahen, von der Regierung noch nicht endgültig aufgegeben, sondern nur zwecks weiterar Prüfung zurückgezogen wurden. Diese tinzelfragen, die nur der Eingeweihte in ihrer Kompliziertheit verstehen kann und die der großen Oeffentlichkeit höchstens im Rahmen einer allgemeinen Stimmung erscheinen, beherrschten in dem abgelaufenen Zeitraum durchaus das Feld. Dabei wäre vielleicht noch besonders auf den Fall von Wadi Chawarith hinzuweisen, der schon in dem Bericht der Shaw-Kommission eine Rolle spielt und seitdem nicht von der Tagesordnung verschwunden ist; es handelt sich darum, eine Anzahl Araber, die früher diesen Boden für Weidezwecke benützten, von dort wegzubringen, um den Boden für jüdische Siedler zu okkupieren. Man fand keine andere Lösung, als die, daß die Regierung etwa 3000 Dunam vom Jüdischen Nationalfonds pachtete, mit der Versicherung, daß der Boden nach zwei Jahren dem Eigentümer zurückgegeben werden wird. Wichtiger jedoch als die wirtschaftliche Folge dieser Transaktion, nämlich die Entziehung eines Bodenstückes vor dem jüdischen Zugriff, ist die juristische und politische Bedeutung. Juristisch, weil hier das Recht des Eigentümers, über seinen rechtsgültig erwojrbenen Boden zu verfügen, in Frage ge*