Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
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Rundschau JEWISH AGENCY. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin. Nachdem in dem ersten Halbjahre nach dem letzten Kongreß der Jewish Agency in Basel die politischen Angelegenheiten sich mehr in der Form eineä Geplänkels um Forderungen des Tages abgespielt haben, scheint es, daß sie in der nächsten Zeit wieder den Charakter eines dramatischen Großkampfes annehmen werden. Für Palästina war das letzte Halbjahr ohnedies eine Art Interims-Zustand. Die Neubesetzung fast aller wichtiger Regierungsämter in London und Jerusalem hat eine Pause erzwungen, um den neuen Männern Gelegenheit zum Einblick in die Probleme zu geben. Zugleich aber haben die großen Fragen der Weltpolitik, die im letzten Halbjahr in so unerwartetem Ausmaße aufgerollt worden sind, alles andere überschattet; insbesondere mußte auch England selbst nach dem kleinen Erdbeben, das die Aufhebung des Goldstandards hervorgerufen hatte, seine Ruhe und Sicherheit zurückgewinnen, um die politische Linie für die nächste Zeit zu finden. Tatsächlich hat der große Wahlsieg der Konservativen eine große Stabilität der Verhältnisse in England geschaffen, und auch in der Kolonialpolitik ist zunächst eine '"Wendung zu stärkerer Betonung des Herrschaftsprinzips eingetreten. Die Verhältnisse schienen selbst auf eine Politik der starken Hand hinzudrängen. Denn die indische Round Table-Konferenz ist, zumindest nach außen hin, nicht durch Englands Schuld gescheitert, sondern infolge der Unmöglichkeit einer Einigung zwischen der Hindu-Majorität und den indischen Minoritäten; wenn bei einem solchen Ausgang trotzdem die Kongreß-Partei ihre revolutionäre Kampagne fortsetzte, so blieb den Engländern, die ja ihren Willen zu weitgehendem Entgegenkommen gezeigt hatten, nichts anderes übrig, als wieder mit der ganzen Strenge der Polizeigewalt vorzugehen. Ein anderes, wenn auch kleineres Beispiel ist der Fall Cyperoi, wo England den griechischnationalen Aufstand mit schärfsten Strafmaßnahmen niederschlug. Es scheint jedoch, daß man sich bei dieser Politik ddr starken Hand ein gewisses Ventil gelassen hat, wo die alte liberale Linie eingehalten wurde, nämlich die arabischen Länder. Die Vorbereitungen zur Emanzipation des Irak wurden von England, allen Einwendungen der Völkerbundsmächte und der Mandatskommission zum Trotz, weitergeführt, und in Palästina, wo kurz zuvor ein blutiger Zusammenstoß in Nablus zwischen Arabern und englischer Polizei stattgefunden hatte, ließ man der arabischen Agitation wieder freies Spiel, ja manche meinen, daß diese Agitation von englischer Seite geradezu gefördert wird. Dies ist im übrigen nicht nur die Ansicht jüdischer Kreise, sondern auch im arabischen Lager gibt es große Gruppen, die de<n Muiti als einen (mehr oder weniger) bezahlten Knecht Englands hinstellen. Wie dem auch sei, die vom Mufti einberufene Moslem-Konferenz in Jerusalem wurde von den Engländern jedenfalls geduldet, obwohl dort eine heftige anti-imperialistische Agitation getrieben wurde. Nur einmal griff die Regierung ein, als nämlidh ein Konferenzteilnehmer sich über die Tötung des Zenussi-Führers Omar Mukthar durch die Italiener ausließ; die Ausweisung des betreffenden Redners sollte wohl eine ostentative Geste sein, um das Mißtrauen der anderen europäischen