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Palästina · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 42 (sequence 9)
Language
German
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hiefür kommen sollen. Denn wenn kein islamitischer „Baron Rothschild" en> scheinen wird, hat der Mufti keine Hdffnung, auch nur viele Zehntausende von Pfunden zu sammeln, und der in Palästina zum Kauf angebotene Boden ist einige Millionen wert. Die Frage, woher Geld nehmen, hat auch die Konferenz sehr bedrückt. Es wurde beschlossen, von jedem Muselman in der W)telt einen Jahresbeitragf von einem Grusch (Vioo Pfund),, sowie von jeder Braut und jedem Bräutigam, u. dgl. Spenden zu verlangen. Aber diese Anträge sind ohne praktischen Wert. Die muselmanische Masse in der Welt ist sehr verarmt und unentwickelt und die Reichen sind nicht gewöhnt, große Summen zu spenden, denn das mangelnde Vertrauen zu den Verwaltern aller Art ist sehr stark verbreitet. Während der Konferenz selbst wurde durch den Mufti der Versuch gemacht, die Begeisterung auszunützen und uniter den Delegierten und im Lande eine Sammlung zu organisieren (unter ihnen befanden sich auch sehr reiche). Insgesamt sammelte er 600 Pfund und aus der Mitte der größten Bodenbesitzer im Lande und den Freunden des Muifti (deren Vermögen man auf zehntausende Dunam schätzt) wurden 50 Dunam Boden gespendet. Der Abschluß der Konferenz erfolgte im Zeichen einer Krise. Die Verfassung der Konferenz wurde gegen den Willen Schaukaths und seinem Freunde beschlossen und sie übergab die wirkliche Herrschaft dem Mufti, der sich (durch die Verfassung) eine Mehrheit auch auf detr zweiten Konferenz sicherte und schon im Vorhinein die muselmanische Opposition in Palästina von der Beteiligung ausschloß. Als Folge davon zog sich Schaukath von der Beteiligung an dem Aktionskomitee der Konferenz zurück. Der Bund zwischen ihm und dem Mufti wurde zerstört. Der Schluß der Konferenz war eine Demonstration gegen den Imperialismus und seine Agenten. Schaukath erklärte, er fühle sich auf der Konferenz als ein „nicht geladener Gast". Der Wafdi Asanx, der in Tripolis gegen die Italiener kämpfte, war der begeisternde Redner dea; Konferenz und die Wfafd-Presse in Aegypten, wjelche der Konferenz das größte? Echo verschaffte, schrieb über Schaukath, er sei ein Betrunkener, ein käuflicher Agent, ein Verräter Indiens, ein Ungläubiger, ein Verdorbener.... Schaukath Ali war ein Abtrünniger auf dieser Konferenz und verließ sie in heller Verzweiflung. Und der Mufti? Hat er seinen Willen erreicht? Ja und Nein. Er wurde durch diese Konferenz und deren Organisierung sehr populär, hat neue Be~« Ziehungen angeknüpft, offenbarte großes organisatorisches Können und wurde zum Präsidenten eines internationalen muselmanischen Instituts gewählt, trotzt seiner Schwächen und Fehler. England wird es sich vielmals überlegen, bevor es wagen wird, den Mufti anzugreifen. Aber im Lande selbst wird der Mufti sich nicht halten können, wenn es ihm nicht gelingt, seine Förderer zu ent-< lohnen, wie es in einer Partei üblich ist, die auf feudaler Ordnung gegründet ist. (Das Wesen der Mufti-Partei kann man Menschen aus dem Westen schwer klar machen. Sie ist eine Mischung einer feudalen Familie und eine» modernen Partei.) Und wenn die finanziellen Plärte der Konjferenz auf Mangel an Mitteln nicht verwirklicht werden, so reichen doch die Beträge, welche unter großen Anstrengungen gesammelt werden, aus, um die Stellung de» fMufti zu festigen als eines Mannes, der seinen Getreuen Mittel zuführt. Aber der panislamitische Wert der Konferenz ist sehr klein und irreal.

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