Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 10)
- Language
- German
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Wer die Konferenz von dieser Seite betrachtet, sieht vor sich einen breiterar Hintergrund, 300 Millionen Muselmanen, von denen nicht weniger als fünf Sechstel einer christlich-imperialistischen Herrschaft, Schutzherrschaft oder einem solchen Einfluß unterworfen sind. Und auf diesem Hintergrund eine kleine Welle: Die muselmanische Konferenz in Jerusalem. Die objektiven und subjektiven Bedingungen sind für eine wirklich panislamitische Bewegung, derzeit nicht gut wie sie es auch zuir iZeit Abdul 'Hamids nicht waren. Darum ist hier die Wurzel zu einer Tätigkeit für persönliche Ambitionen und für einen; undeutlichen Ausdruck der Leiden der muselmanischen Völker. Ein großer Berg, der eine kleine Maus gebiert! Aber wenn auch der Ausdruck für die iSorgen der Muselmanen armselig ist (eine panislamitische Konferenz, die keine andere Gefahr für ihren Bestand als den Zionismus findet!), so ist doch die Not wahr und bestehend. Und darum hat jede mußelmanische Zusammenkunfteinen Wert nicht darin, was sie enthält, sondern darin, was in ihr nicht enthalten ist. Die islamitischen Völker schwanken und irren, aber schon ist das Bewußtsein in gewissen Teilen erwacht, daß man einen Weg ins Freie suchen muß, und lebendige Völker, die suchen, — finden schließlich. Die Ernährung der Bevölkerung Palästinas*). Die Palestine Economic Society gibt als Nr. 3 Ides 5. Bandes ihres Bulletins eine Untersuchung über dieses Tihema heraus. An ihr waren beteiligt: Die Hygienische Abteilung der hebräischen Universität, die Hadassah und das Statistische Amt der Jewish Agency. Daten wurden während sechs Monaten bei sieben städtischen jüdischen Familien verschiedener Gemeinden, vier Kwuzoth und vier Gruppen arabischer Bauern und beduinischer Familien gesammelt. Hiebei wurden folgende Feststellungen gemacht: 1. Die städtischen jüdischen Familien sind geteilt in europäische (Aschkenasim) und orientalische. Die ersteren haben pro Einheit ein größeres Ein-» kommen, leben besser, essen melir und bessere Nahrung als die letzteren. 2. Die askenasischen Gruppen konsumieren im Durchschnitt pro Tag und Kopf**) 2500 Kalorien, wobei die Zusammensetzung ist: 14 o/0 Eiweiß, 22 o/o Fett und 64o/o Kohlehydrate; die orientalische Gruppe 2380 Kalorien, davon: 13.4 o/o Eiweiß, 18.6 o/0 Fett und 68 o/o Kohlehydrate. 3. Die Aschkenasim essen mehr Milch und Butter, die Orientalen mehr Gemüse. Daher hat die Diät der ersteren mehr Säurecharakter, die der letzteren mehr basischen. Als Folge einer großen Konsumtion von tierischem. Fett zahlen die Aschkenasim 1 mil (2 Pfennig) für 60 Kalorien gegenüber 1 mil für 74 bis 78 Kalorien, die von den orientalischen Juden gezahlt werden. *) An Inquiry into the Diets of Vaiftofus Sectiotns of the Urban and Rural Population of Palestine by I. Klieger, A. Geiger, S. Brombecg and D. Gurevich, Tel-Aviv 1931. •*) Per Kopf heißt hier und in der Folge „männliche Einheit", auf die Frauen und Kinder nach der Lusk-Methode umgerechnet wurden.