Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 6)
- Language
- German
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einigungsparolen im Islam unserer Zeit hat der Mutfti vom Anfang an den Schutz der den Muselmanen in Palästina heiligen Orte, welche die Zionisten ihnen rauben oder antasten wollen, zur Hauptparole in der Propaganda für die» Organisierung der Konferenz erhoben. Auf diesem Boden führt der Mufti von jeher seine Propaganda im Osten gegen den Zionismus, ohne irgend eine Gegenarbeit, die diesen Namen verdiente, seitens der Zionisten. Im allgemeinen kennt der arabisch-muselmanische Osten den Zionismus bloß in seinc^ revisionistischen Form. Aber auch diese übertrieben und entstellt. Und da man wußte, daß England keine Konferenz in Jerusalem gestatten werde, welche gegen sich selbst oder gegen eine wichtige Großmacht ankämpfte und ies bekannt war, daß England nicht ungerne eine ständige Reibung zwischen den verschiedenen Gemeinschaften, die ihrer Herrschaft unterstellt sind, sieht — so war es vorauszusehen, daß der Zionismus der Prügelknabe auf dieser 'Konferenz sein werde. Allerdings sind die britischen Kreise, welche im Osten ^arbeiten und deren Ojrgan „Near East and India" ist, offenbar von dieser Konferenz enttäuscht worden, nach der scharfen Kritik über diese Konferenz im genannten Organ zu schließen. Das ist der Hintergrund der muselmanischen Konferenz. Die nach vielen Mühsalen festgesetzte Tagesordnung umfaßte: 1.) Schutz der heiligen muselmanischen Stätten; 2.) die muselmanische Universität in Jerusalem; 3.) die Hedschasbaihn;; 4.) die Verbesserung der religiösen Führung (lies muselmanische Mission); 5.) Organisationsfragen. — Die Konferenz war zusammengesetzt aus 133 „DelegiertenjÄ% die nicht gewählt worden waren, sondern im eigenen Namen erschienen aus der Anzahl vieler Hundefrter durch den Mufti Eingeladener. Inwieweit diese Delegierten in richtiger Weise die muselmanische Welt repräsentieren, kann man daraus ersehen, daß die Millionen Muselmanen in Palästina zu beiden Seiten des Jordan 38 Prozent dieser Konferenz bildeten. Und während des Zusammentrittes der Konferenz wurde in Jerusalem eine Konferenz der Mufti-Gegner, organisiert, an der sicji 1500 dejr reichsten und führendsten Kreise beteiligten, die erklärten, daß die Mehrheit des islamischen Palästina auf der Konferenz nicht vertreten sei. Eine würdige Repräsentanz besaßen auf der Konferenz die Muselmanen Libandns, ferner beteiligten sich an ihr zwei bis drei wichtige Autoritäten des Islam, aus Aegypten und Irak. Die Al-Azhar-!Universität hatte keinen Repräsentanten entsendet, aber die Armseligkeit der Konferenz wurde durch eine Unmenge von Briefen und Begrüßungstelegramme« korrigiert, die bewiesen, daß die Konferenz in vielen Teilen der muselmanischen Welt Sympathie besitze. Entschuldigungsschreiben wegen Nichtbeteiligung mit trockenen Begrüßungen schickten auch die Könige von Hedschas (Ihn Saud) und Persien. Ferner hatte der Emir Abdalah die Delegierten der Kon* ferenz zu einer Ehamng nach Transjordanien eingeladen. Kaum war jedoch die Konferenz eröffnet, in der Al-Aksa-Moschee, so wurde sogleich klar, daß die britischen Politiker, die gehofft hatten, von Schaukath Ali auf der panislamitischen Konferenz ganz besonders gefördert zu werden, bitter enttäuscht wurden. Die Eröffnung wurde in eine Demonstration zu Ehren des Führers der ägyptischen Opposition Nahum Pascha verwandelt (er war auf der Konferenz nicht anwesend, sondern hatte bloß eine Begrüßung ge-< schickt) und dieser Faden durchzog die ganze Korffeanqnz. Schaukath Ali, der Vater des Konferenzgedankens, wurde nicht einmal ins Präsidium gewählt.