Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1932-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1932) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1932)
Article
Die muselmanische Konferenz in Jerusalem und der Panislamismus
Date
1932-01-01
Page
Seite 36 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379900-2379902-2394643--13082-2394805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

orientalischen Völker, speziell der muselmanischen, und das bolschewistische Rußland. In dem Maße, als im vergangenen Jahrhundert und am Beginne des gegen* wärtigen, England die Herzen der Muselmanen erobert hatte, und seine politische Bilanz aktiv war, wurde diese nach dem Krieg und bis zum heutigen Tage immer mehr passiv. England gelang es nicht, mit der ägyptischen Mehrheitspartei, dem WAFD, welcher ihr die Hand entgegenstreckte, Frieden zu schließen; Yemen haßt es; die Majorität im Irak opponiert gegen England; ebenso tun es die Muselmanen in Palästina, Syrien, der Türkei, Persien und in Teilen von Afghanistan. Und das bolschewistische Rußland schürt diesen Haß unaufhörlich. Die einzigen treuen Bundesgenossen Englands sind die Muselmanen in Indien. Aus obiger Schilderung ergibt sich, daß dem britischen Imperium von der Vereinigung aller muselmanischen Völker in einer Bewegung große Gefahr droht. Die Bestrebungen nach nationaler Selbständigkeit und die Tätigkeit Rußlands würden diese Bewegung zu einem mächtigen Hindernis für England verwandeln. Die britische Regierung hat auch diesbezüglich seit dem Beginne des Krieges bis heute Sorge gehabt und streitbare Dynastien, sowie einen beschränkten territorialen Patriotismus groß gezogen^ Die britischen Regier rangen in allen muselmanischen Ländern unterstützen in der letzten Periode die nationale Bewegung auf Kosten der religiösen (sie unterstützen die Eini* gung der Christen mit den Arabern oder mit den muselmanischen Aegyptern), 'Auch die moderne Türkei und Persien nützen England bei diesen seinen Bestrebungen. Aber nachdem die Unwirklichkeit der panislamitischen Bewegung gesichert wurde, stützt sich England fast als einzige Regierung unter allen christlichen und muselmanischen Regierungen auf den Schatten der panislamitischen Bewegung, welche bis heute in den Köpfen einiger fanatischer, muselmanischer Führer in Indien geherrscht hat. Sei es, daß es das individuelle Bestreben eines Führers vom Typus Schaukath Ali's ist. der an der Spitze der Muselmanen der Welt stehen will, in dem Zeitpunkte, da der Khalifenthron frei ist; sei es, daß die muselma,nischen Führer in Indien ihre Position als Minderheit im Lande durch diese Bewegung stärken wollen, möge der Grund welcher immer sein: in Indien rumoren die Schatten der panislamitischen Bewegung und suchen für sich eine Verkörperung in einer praktischen und organisatorischen Tätigkeit. Da aber diese Führer England ergeben sind, freut sich dieses in gewissem Miaße über die Verbreitung des Einflusses derselben auf die anderen muselmanischen Völker, welche jetzt von immer stärkeren Haß zu England beseelt sind. Indeß wurde das Verhältnis der westasiatischen Muselmanen zu England in den letzten Jahren in solchem Maße verschlimmert, daß die Panislamiten in Indien nicht die Möglichkeit hatten, sich direkt an ihre Religionsgenossen mit einem Vorschlag betreffs einer panislamitischen Konferenz zu wenden* Das Verhältnis zu jenen Führern ist in den arabischen-muselmänischen Ländern wie das zu politischen Agenten Englands. Deshalb suchten sie sich Kompagnons, die bei den Muselmanen von Westasien vermitteln sollen. Sie suchten und fanden sie. In Jerusalem wirkt seit dem Jahre 1922 der Mufti Emin AI Husseini in der Richtung der Mobilisierung der muselmanischarabischen Welt für seine Pläne. Noch am Beginn seiner Tätigkeit entsandte er eine Delegation zu den Muselmanen Indiens und erhielt von den Brüdern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.