Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1932)
- Article
- Zur Agrarfrage in Palästina
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Warenaustausch war unbedeutend, der Gebrauch von Bargeld begrenzt. Die traditionellen Bindungen der Dorfgemeinde waren außerordentlich stark, die Lebens- und Arbeitsformen blieben Generationen lang unverändert. In diese Struktur des sozialen Lebens dringen die neuen Elemente des Kapitalismus ein und lösen durch ihren Anprall die alte Tradition und das System der gebundenen und isolierten Wirtschaft auf. Geld wird zum Maße der wirtschaftlichen Werte und zum einzigen Tauschmittel, der Lebensstandard steigt, während es dem Fellachen an Geld mangelt, um seine neuen Bedürfnisse zu befriedigen, da sein Einkommen kaum zum nackten Existenzminimum ausreicht. Verbesserte Kommunikations- und Transportmittel ziehen das Land in den Kreis des Weltmarktes. Es ist allerdings falsch, von einem außerordentlich hohen Preisniveau in Palästina zu sprechen, da im Laufe der Zeit eine Angleichung an die Weltmarktpreise vor sich ging. Relativ jedoch war die Preissteigerung größer als in anderen Ländern, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß Palästina vor 'dem Kriege sich durch eine Preisstufe auszeichnete, die das Weltmarktniveau nicht erreichte. Es stiegen besonders die Bodenpreise und die Inflation der Bodenwerte hatte eine Erhöhung des Pachtzinses zur Folge, welcher in bestimmtem Verhältnis zum Bodenpreise steht. Jetzt wird ein Pachtzins von 30 Prozent des Bruttoeinkommens und 50 Prozent des Nettoeinkommens Bezahlt. Nach dem Preisfall der landwirtschaftlichen Produkte im Jahre 1929 und 1930 ist dieses Verhältnis für den Fellachen noch ungünstiger. Diese Umstände bringen den Fellachen in Abhängigkeit vom Wucherer, der oft zugleich Getreidehändler und Großgrundbesitzer ist. Die Großgrundbesitzer machen sich die prekäre Lage des Kleinbauern zunutze, um seinen Boden zu erwerben. Demgegenüber zieht eine erhebliche Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten und Erhöhung der Löhne den verelendeten Kleinbauern in die Stadt und veranlaßt ihn, Arbeit außer seinem Heimatsdorfe zu suchen. Die Lohnindices der Jahre 1913, 1919 und 1922 wurden offiziell verglichen und die respektiven Durchschnittszahlen von 100, 190 und 390 ermittelt.13) Seit 1922 sind die Löhne beträchtlich gefallen, dürften aber auch jetzt wahrscheinlich die Indexhöhe von 200 behaupten. Beim Hafenbau von Haifa und besonders in den Steinbrüchen von 13) Commercial Bulletin. November 1929. pp. 449.