Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 461 (sequence 6)
- Language
- German
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lästinensisohe Arbeiterin von jenen allgemeinen Frauenverbänden in ihrer Tätigkeit sehr intensiv unterstützt wird, wälre es auch gar nicht verständlich, warum das weite, in Palästina bis nun trotz der vielen für philantropische Zwecke mehr oder minder zweckmäßig ausgegebenen Gelder sehr vernachlässigte Gebiet der sozialen Arbeit der Initiative und Schaffenskraft der palästinensischen arbeitenden Frau entbehren sollte. Gerade jetzt wurde vom Waad Leumi ein besonderer Rat für soziale Arbeit (unter der Leitung von Henrietta Szold) eingesetzt, der hoffentlich gute Arbeit leisten wird. So isä denn auch das Interesse in den Arbeiterinnenkreisen für diese Fragen ziemlich verständlich und die Konferenz hat sie folgerichtig in ihre Tagesordnung aufgenommen. Es bedarf keines besonderen Scharfsinns, um die Brücke zu verstehen, die von der sozialen Arbeit (insbesondere unter dem altfen Jischub) zur Arbeiterbewegung führt. Hier hat eben die Arbeiterin Aufgaben zu erfüllen, für die der Mann viel weniger geeignet ist. Die Konfferenz der Arbeiterinnen wird es hoffentlich verstehen, aus diesem Gewirr der Fragen einen Ausweg zu finden, der den Leidensweg der arbeitenden Frau in Palästina mildern und neue Entwicklungswege vor ihr öffnen wird. Die Beamten- und Handelsangestelltenfrage. Die spezifischen Bedingungen der jüdischen Aufbauarbeit im Lande brachten es mit sich, daß die Bewegung der Handelsangestellten und der Privatbeamten lange Jahre hindurch keine größere Bedeujtung zu erlangen vermochte. Der jüdische Arbeiter, für den die produktive, aufbauende, physische Arbeit nicht bloß Beruf, sondern auch Verwirklichung einer ganz bestimmten Ideologie bedeutete, hatte für das Beamtentum kein besonderes Interesse übrig und es fanden sich durch lange Jahre keine entsprechenden Kräfte zur Organisierung dieser Schichten und zur Leitung der tagtäglichen gewerkschaftlichen Arbeit. Andererseits ist auch das Lager der Haindelsangestellten und der Beamten im Lande viel zu differenziert, um eine gewerkschaftliche Organisierung ohne besondere Schwierigkeiten zu ermöglichen. Lassen wir die öffentlichen Beamten bei Seite, die aus denselben Gründen, wie in den anderen Ländern, auch in Palästina nur sehr schwer gewerkschaftlich zu erfassen sind, so haben wir es m£t drei Kategorien von Beamten und Angestellten zu tun, deren Situation grunfdverschieden ist: Es sind dies erstens die Beamten der nationalen Behörden im Lande mit einer den öffentlichen Beamten vielfach ähnlichen Stellung, zweitens die materiell zumeist gut situierten Bankbeamten und drittens die Angestellten in Privatunternehmungen, sozusagen das Proletariat in dieser Schichte der Bevölkerung, dessen materielle Situation, wie auch die sonstigen Arbeitsbedingungen zumeist äußerst kläglich sind. Es genügt z. B. darauf hinzuweisen, daß es in Palästina bis zum heutigen Tage keine gesetzliche Sperrstunde in den Handelsunteamehmungeni gibt, daß die Teifdenz, die Gehälter der Angestellten zu drücken, in den Privatunternehmungen fast als selbstverständlich gilt und daß angesichts der Ueberangebote an Beamtenkräften, das durch die große Zahl von Handelsschulen und verschiedensten Kursen noch gesteigert wird, die Arbeitslosigkeit in diesem Fach zu einer eminenten und imm|er mehr ansteigenden Gefahr wird. XJnd dabei sind gerade diese in den verschiedensten Betrieben zerstreuten und in sozialer Hinsicht meist rückständigen Elemente viel schwerer zu organi-