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Palästina · 1931-12-01 · Heft 12 (Dezember 1931) · p. Seite 460

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 12 (Dezember 1931)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
Date
1931-12-01
Page
Seite 460 (sequence 5)
Language
German
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Städten aus. Die Zahl der Industriearbeiterinnep ist allerdings im Lauf der letzten Jahre bis auf zirka 2000 gestiegen, do^h sind die allermeisten in minder wichtigen und schlecht entlohnten Industriezweigen (Zigaretten-, Kartonage-^ Schakoladefabriken usw.) beschäftigt, wo sie nicht selten von ihren Arbeitsgebern terrorisiert und in der gewerkschaftlichen Organisierungsarbeit behindert werden. Sämtliche Versuche, in die Bau- und in die öffentlichen Arbeiter* in einer nennenswerten Zahl einzudringen, sind bisher erfolglos geblieben. Es ist allerdings den Frauen noch ein Arbeitsgebiet übrig geblieben, das heute gleichfalls zirka 2000 Arbeiterinnen beschäftigt: Es ist der Beruf der Hausgehilfinnen. Doch entspricht dieser Beruf so wenig der ideologischen Einstellung der aus Europa eingewanderten Chaluzah und ist dabei mit so viel Demütigungen und Beschränkungen der persönlichen Freiheit verbunden, daß er sich keiner großen Popularität zu erfreuen vermag. Das Gros der in diesem Beruf konzentrierten Frauen stellen orientalische Arbeiterinnen, oft sehr junge, kulturell verwahrloste Mädchen, die gewerkschaftlich nur äußerst schwer zu erfassen sind. Doch hat die Arbeiterinnenbewegung in Palästina noch andere Schwierigkeiten zu überwinden, die im Leben des Arbeiters ganz unbekannt sind. Es handelt sich einerseits um die Frage der arbeitenden Mutter, andererseits um die Frauen vo.n Arbeitern. Beide Kategorien, die in den früheren Jahrzehnten nur wenig bekannt waren, sind in den letzten Jahren ziemlich natur* gemäß auf mehrere Tausende angewachsen und haben neue Komplikationen im Leben der Arbeiterin mit sich gebracht. Was ist zu tun, um der arbeitenden Mutter die Sorge für ihr Kind abzunehmen oder ihr eine, wenn auch nur teilweise Beschäftigung mit dem Kind zu ermöglichen, wie soll der traurigen Entwicklung vorgebeugt werden, die die Arbeiterfrau unter den quälenjden Sorgen des Familienlebens ersticken und sie zu einem Arbeitstier degradieren läßt, wie sollen beide Kategorien von Frauen der Arbeiterbewegung mit ihren großen nationalen Aspekten erhalten werden? Dies sind Kragen, schwer und tragisch genug, die ihrer Lösung bis zum heutigen Tage harren. Auch in dieser Beziehung sind die Frauen in den Arbeitersiedlungen und in den Kibutzim viel besser daran, für die anderen muß die Organisation sorgen. Gründung von Säuglingsheimen, Kindergärten und Jugendhorten, Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und besondere Erleichterungen für arbeitende Mütter, Organisierung derselben, wie auch der Arbeiterfrauen, zielbewußte und intensive Propaganda in ihren Reihen, dies sind die Wege, die zur Lösung führen können. Wie viel auf diesem Gebiet noch zu tun ist und wie schmerzlich das Problem als solches von der ganzen Oeffentlichkeit empfunden wird, ergibt sich aus der öffentlichen Diskussion vor der Konferenz, in der gerade diese Frage (wie auch die Frage der Arbeitslosigkeit der Frauen) besonders intensiv erörtert wird. Es darf in diesem Zusammenhang nc*ch eine andere Frage nicht außer acht gelassen werden, die im Leben der palästinensischen Arbeiterin einen gewissen Platz einnimmt oder jedenfalls einnehmen sollte. Es ist dies die Stellung der Frau in der allgemeinen sozialen Arbeit. Es wird den palästinensischen Arbeiterinnen oft vorgeworfen, daß sie zu viel mit cfen allgemeinen Frauen- Organisationen (Wizo und Verband der jüdischen Frauen Palästinas) im Kontakt bleiben, was ihre spezifische Tätigkeit ungünstig zu beeinflussen geeignet sei. Dieser Vorwurf ist keineswegs begründet. Abgesehen davon, daß die pa-

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