Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 459 (sequence 4)
- Language
- German
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ideologische Einstellung für die Zukunft des Arbeitersiedlungswerkes von entscheidender Bedeutung sein wird — dies sind die Wiege, die der Arbeiterbewegung bewiesen wurden und die wohl in ihrer Totalität geeignet sind, Abhilfe zu schaffen. So steht die Histadruth gegenwärtig vor neuen und schweren Aufgaben und von dem Maß der Verwirklichung dieser Aufgaben hängt zum großen Teil auch 'der Erfolg der Tätigkeit in der allernächsten, sicherlich sehr schweren Periode ab. Vor der vierten Konferenz der palästinensischen Arbeiterinnen. Die von der Exekutive der Histadruth proklamierten Wahlen zur vierten Landeskonferenz der palästinensischen Arbeiterinnen, die am 28. November im ganzen Land durchgeführt wurden (die Konferenz selbst tritt in den ersten Dezemberwochen zusammen), haben das schmerzliche Problem der Frauenarbeit in Palästina wiederum aufrollen lassen. Erst vor wenigen Jahren ist in dem bekannten Werk der palästinensischen Arbeiterführerin Ada Fischmann der Leidensweg der Frau als Arbeiterin in Palästina mit ekler unvergleichlichen Klarheit und Offenheit dargestellt worden, es wurden dort auch die große}n, in manchen Fällen geradezu entscheidenden Fortschritte gezeigt, die die jüdische Arbeiterinnenbewegung in Palästina im Lauf der wenigen Jahre ihrer Entwicklung zu erkämpfen verstand. Und doch wäre es weit verfehlt, anzunehmen, daß die Lage der arbeitenden Frauen in Palästina, die heute ein Drittel der allgemeinen Arbeitsgesellschaft im Lande ausmachen, auch nur entfernt mit der Lage des Mannes zu vergleichen wäre und die Entwicklung der allerletzten Jahre hat die ohnehin sehr schwere Situation noch vielfach kompliziert. Es handelt sich dabei gar nicht um die formellen Rechte der Frau, die in der Arbeiterbewegung natürlich nie in Firage gestellt wurden, sondern^ um tatsächliche Gleichberechtigung in der Arbeit, von der die arbeitende Frau in Palästina noch immer weit entfernt ist. W^eJnn man es genau nimmt, so sind es eigentlich bloß die Arbeitersieidlungen und die wenigen selbständigen Wirtschaften und Farmen der Arbeiterinnen (die übrigens zumeist schwer um ihre Existenz zu kämpfen haben), in denen sich die Frau feste Arbeitspositionen zu erringen vermocht hat. Sonst hat sie überall schwer und in sehr vielen Fällen ohne merkbare Resultate um die tagtägliche Arbeit zu kämpfen. In den Kolonien, wo bei gehöriger und verständnisvoller Organisierung ein großer Teil der qualifizierten Arbeit in den Orangei^gärten den Frauen vorbehalten bleiben könnte, ist heute deren Lage geradezu als hoffnungslos zu bezeichnen. Besonders tragisch ist die Situation der Einzelarbeiterinnen, indeß die Mitgliederinnen der Kibutzim, wo auf eine gerechte Verteilung der Arbeitsgelegenheiten viel mehr gesehen wird, in dieser Beziehung etwas besser gestellt sind, obzwar auch da der Prozentsatz von arbeitslosen Frauen ein überaus großer ist. In vielen Kolonien, die in den letzten Jahren begründet worden waren, in denen es) den Frauen gelang, in der ersten Pflanzungsperiode Fufo zu fassen, sind ihnen die neuen Arbeitspositionen wiederum verloren gegangen. Nur in den allerseltensten Fällen gelingt es der Frau, ständige Arbeit im Dorf zu erlangen un<} die vorhandenen Saisonarbeitsmöglichkeiten fallen zumeist den männlichen Arbeitern zu, die ja auch schwer genug um diese Plätze zu kämpfen haben. So ist denn die Frau gezwungen, sich auch hier auf Küche und Wäscherei zu beschränken und diese Arbeitsgelegenheiten vermögen nur wenigen Arbeiterinnen "Beschäftigung und Brot zu geben. Nicht viel besser sieht es in den