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Palästina · 1931-12-01 · Heft 12 (Dezember 1931) · p. Seite 458

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 12 (Dezember 1931)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
Date
1931-12-01
Page
Seite 458 (sequence 3)
Language
German
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destoweniger da und dort kämpf müde wird und die großen nationalen Aufgaben der Bewegung aus den Augen zu verlieren beginnt. Es zeigen sich hie und da (in erster Reihe in den Städten) Anzeichen der Passivität, es zeigen sich ziemlich harte Gegensätze zwischen den einzelnen Fachsektionen, sowie zwischen qualifizierten und nichtqualifizierten, zwischen den ständig beschäftigten und den von der Arbeitslosigkeit immer wieder bedrohten Arbeitern. Es wird insbesondere den alten, zumeist bereits angesiedelten Arbeitern vorgeworfen, daß sie sich von der Bewegung absondern und ihre Rolle als Führer und Mitkämpfer vernachlässigen und daß sie in erster Reihe es unterlassen haben, der jüngeren Generation in ihrem unendlich schweren Lebenskampf hilfreich zur Seite stehen. Es taucht auch das schwere Problem des Einzelnen im Leben der Gesamtarbeiterschaft hervor. Für diejenigen Arbeiter, die in den heute im Lande sehr zahlreichen Kibbuzim uind Arbeiterwirtschaften eine sozusagen vergrößerte Familie vor sich haben, wo sie sich geistig und gesellschaftlich auszuleben vermögen, ist diese Frage allerdings von keiner entscheidenden Bedeutung. Sie lastet dagegen mit ihrer ganzen Wucht auf den großen Massen der Einzelarbeiter in Stadt und Darf, die (im Gegensatz zur Vorkriegsperiode und den ersten Nachkriegs jähren) den gesellschaftlichen Einfluß der. Histadruth in ihrem tagtäglichen Leben nur wenig zu spüren haben. Daraus ergibt sich nun einerseits eine ausgesprochen opportunistische Ein-? Stellung zur Organisation, mit der man sich eben so lange verbunden fühlt,, als man von ihr einen konkreten Nutzen genießt oder erhofft, .andererseits einl kultureller Niedergang gar mancher Arbeiterschichten und eine Verengung des Gesichtskreises bis auf das „normale" Niveau der Arbeiterschaft in den anderen Ländern, das für das jüdische Palästina mit seiner speziellen Problematik keineswegs genügen kann. Wo ist der Ausweg aus dieser in manschen Fällen geradezu tragisch komplizierten Situation zu suchen? Wie soll die große Schwungkraft der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas auch im heutigen vielfach vergrößerten Rahmen erhalten werden? Wie sind die gewerkschaftlichen Aufgaben der Histadruth mit ihrem nationalen Programm in Einklang zu bringen? Wie soll dem Niedergang des einsamen iVrbeiters vorgebeugt werden? Dies sind die Schicksalsfragen, die auf der Tagesordnung der Beratung der Histadruth standen. Es war natürlich unmöglich und wurde auch gar nicht arjgestrebt, im Rahmen einer einzigen Tagung diese Fragen einer Lösung näherzubringen. Sie sollten» in der Hauptsache in ihrer ganzen Schwere und Kompliziertheit aufgerollt werden, was in einer Reihe von grundlegenden Ausführungen (in erster Reihe von Ben Gurjon) und in der nachfolgenden Debatte geschah, die ihrerseits bereits vorher in der Arbeiterpresse vorbereitet war. Vertiefung und Ver- 6reitung des Arbeiterkulturwerks, Heranziehung von freiwilligen Führerkräften, insbesondere unter den jüngeren Arbeitern, neben dem Berufsbeamtentum. Ausbau der eigenen Fonds für selbständige genossenschaftliche und kolonisatorische Tätigkeit, entsprechende Umbildung des Hachscharawerks in den Galuthländern, um die neue Arbeiterschaft der palästinensischen Wirklichkeit näher zu bringen, Ausbau der Arbeitslosenversicherung und Kampf um die Weiterentwicklung der Arbeiterschutzgesetzgebung, Rationalisierung der Tätigkeit der leitenden Organe und der einzelnen Fachverbände, Förderung des kollektiven Bewußtseins und nicht in erster Linie Sarge für die Arbeiterjugend, deren Scharen im Lande immer mehr anwachsen und deren

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