Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 457 (sequence 2)
- Language
- German
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und auch für deren kulturelle und sozialpolitische (im breitefeten Sinne des Wortes) Bedürfnisse zu sorgen hat. Der weite Umfang der Tätigkeit, der dadurch gegeben ist, hat angesichts der immer mehr ansteigenden Mitgliederzahl zu einer notgedrungenen teilweisen Bürokratisiorung der Bewegung ge-« führt. Ohne einen großen Stab von Beamten sind .die weitverzweigten Auf-» gaben der Histadruth heute nicht zu lösen und die Rfegelung der Beziehungen zwischen diesem stark angeschwollenen Beamtentum und der Masse der Mitglieder ist eine äußerst delikate Frage, die nicht immer und nicht überall glücklich genug gelöst werden kann. Doch sind auch die sonstigen Schwierigkeiten, die die Gewerkschaftsbewegung bei anderen Völkern zu überwiixtan hat, in den spezifischen Vetrhältnissen des jüdischen Palästina viel stärker als anderswo zum Vorschein gekommen. Mag auch der Prozentsatz der durch gewerkschaftliche Organisierung Erfaßten größer sein als in den anderen Ländlenn (in den Arbeitersiedlungen und in vielen Kolonien sind es volle hunde/rt Prozent), so gibt es doch auch in Palästina bis zum heutigen Tage noch ziemlich viele nichtorganisierte Arbeiter, die zumeist den kulturell am niedrigsten stehenden Volksschichten entstammen und die den gewerkschaftlichen Kampf bedeutend erschweren. Es muß darüber hinaus in Betracht gezogen werden, daß der jüdische Arbeiter auch in der arabischen Lohnarbeit eine gefährliche Konkurrenz hat, die insbesondere in den alten Kolonien nur sehr schwer zu überwinden ist. Zu all diesen Schwierigkeiten sind letztens noch konkurrierende gewerkschaftliche Organisationen, so in erster Reihe die Organisationen der Misrachi und der Revisionisten dazugekommen,, die, wenn sie auch quantitativ im Verhältnis zur Histadruth nur wenig zu bedeuten haben, doch vielfach ihre Tätigkeit behindern, nicht selten auch von ds&i Arbeitsgebern gegen die Histadruth ausgespielt werden. Und fügt man noch die Schwierigkeiten dazu, die sich aus der gelockerten gewerkschaftlichen Disziplin in den Städten ergeben, wo nicht selten konkurrierende, sich gegenseitig unterbietende Gruppen; auftreten, so wird man sich der Kompliziertheit der Situation bewußt, die gefahrdrohend für die Zukunft werden kann. Nicht minder deprimierend wirkt auf die Bevtfegung der Gang der Ereignisse im Zionismus im Lauf der letzten Jahre Die nur allzu häufigen Budgetreduk-? tionen, die immer wieder getrogenen Hoffnungen auf eine nennenswerte Fortsetzung der Arbeiterkolonisationen (als ein eklatantes Beispiel sei die Hifc jaschwut Ha'elef genannt, deren Scheitern im Leben vieler hunderter Arbeiter eine Tragödie bedeutet), die fortwährenden Zusammenstöße mit den Vertretern der anderen Klassen in Dorf und Stadt), wozu noch die Kämpfe mit den Revisionisten kommen, können keineswegs spurlos an der Arbeiterbewegung vorbeigehen. Es ist nur der einzigartigen Geschlossenheit und der ideologischen Macht der vereinigten Arbeiterpartei Palästinas, deren Einfluß auf das Leben der Arbeiterschaft weit über die unmittelbaren Kreise ihrer Mitglieder und Anhänger hinausgeht, zu verdanken, daß die radikal klassenkämpferisch eingestellten Strömungen in der Histadruth (in erster Reihe die linken Poale- Zion, zum Teil auch der Haschomer Hazair) mit ihren Losungen nur schwer durchdringen können und eine kleine Minorität in der Bewegung ausmachen. Die Masse schart sich um die MiBeget Poale Erez Israel, was auch die häufigen Wahlaktionen immer wieder zeigen. Doch darf uns diese Tatsache nicht darüber hinwegtäuschen, daß der jüdische Arbeiter Palästinas nichts-