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Palästina · 1931-12-01 · Heft 12 (Dezember 1931) · p. Seite 456

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 12 (Dezember 1931)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arje Tartakower, Lodz.
Date
1931-12-01
Page
Seite 456 (sequence 1)
Language
German
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Rundschau ARBEITERBEWEGUNG. Von Dr. Ar je Tartakower, Lodz. Zur inneren Lage in der Bewegung, Die Session des Rats der Allgemeiiien Jüdischen Arbeiterorganisation, die am 4. Oktober d. J. in Tel-Aviv zusammentrat, um in fünf Tagen ihre Arbeit zu vollenden, bedeutet ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande. Sie war ganz der Erörterung der inneren} Lage in der Bewegung gewidmet, die von großen Teilen als schwer, von manchen geradezu als unerträglich empfunden wird. Der große Apparat der Arbeiterorganisation paßt sich nur langsam, manichmal unter schweren inneren* Kämpfen den vielfach geänderten Bedingungen und der geänderten Zusammensetzung der Mitgliedschaft an. Ueber dreißigtausend Arbeiter umfaßt heute die Organisation, von denen mehr als die Hälfte in den Städten konzentriert ist, wo die meisten einen schweinern Existenzkampf zu fuhren haben, der nur allzuoft die ideologischen Grundlagen der Bewegung zu schwächen geeignet ist. Das Gros der Arbeiterschaft setzt sich allerdings bis zum heutigen Tage aus Elementen zusammen, für die der Zionismus die treibende Kraft zur Einwanderung und zu ihrem gegenwärtigen Berufsleben bedeutet und die lange Jahre von Vorbereitungsarbeiten in den HechaluzOrganisationen hinter sich haben. Doch darf es nicht außer acht gelassen werden, daß auch auf die Psychologie dieser Leute in gar vielen Fällen der schwere, oft gegen Juden geführte Kampf um Arbeit und um erträgliche Arbeitsbedingungen eingewirkt hat und daß die so oft und so schmerzlich getragenen Hoffnungen auf Ansiedelung das ihrige dazu beitragen, um die Lage zu komplizieren. Andererseits sind im Lauf der letzten Jahre zwei Kategorien von Arbeitern dazugekommen, die in der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande früher unbekannt waren: Es sind dies jüdische Arbeiter aus orientalischen Länden und proletarisierte Mittelstandelemente, die in anderen Berufen Schiffbruch erlitten haben und zur Lohnarbeit übergegangen sind. Diesen beiden sonst voneinander sehr verschiedenen Gruppen ist gemeinsam mir ihr sehr mangelhaft entwickeltes nationales und Arbeiterbewußtsein, in vielen Fällen auch ihr äußerst niedriges Kulturniveau, das die Organisierungsarbeit bedeutend erschwert. Als eines weiteren erschwerenden Umstands sei des verschiedenen Grads der Verbundenheit mit der Organisation gedacht, die auf ihre innere Entwicklung hemmend} wirken muß. Neben Schichten, die mit der Histadruth fest und dauernd in ihrem tagtäglichen Leben verbunden sind, gibt es andere, für die die Zugehörigkeit zur Organisation mehr Prinzip als Lebens- oder Erlebenssache bedeutet: es gibt aucjh solche, die der Organisation völlig passiv gegenüberstehen und in ihrem tagtäglichen Leben nicht selten mit den Grundsätzen der Histadruth in Widerspruch geraten. So tritt denn heute erneut und mit viel größerer Kraft als nach der ersten Masseneinwanderung ins Land zur Zeit der dritten Alijah der innere Widerspruch in der Histadruth Zutage, die einerseits eine ihrem Weisen nach ausgesprochene nationale Pionierorganisation ist, andererseits aber die tagtäglichen Berufsinteressen ihrer Mitglieder zu wahren

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