Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Der wirtschaftliche Aufbau der Stadt Jerusalem
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
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sei.7) Man darf bei der Beurteilung dieser Verhältnisse, so ungezj«43 wohnt und erstaunlich sie dem europäischen Betrachter auch vorkommen mögen, nicht daran vergessen, daß sich diese Dinge im Orient, das heißt in einer Sphäre abspielten, in der von jeher die Verwaltung öffentlicher Mittel weitgehend zur persönlichen Bereicherung benutzt wurde. Die geschilderten Erscheinungen waren ja sowohl in der Finanzabteilung 'der türkischen Regierung als in der Verwaltung der den religiösen Gemeinschaften zufließenden Mittel an der Tagesordnung. Die wirtschaftliche Bedeutung des orthodoxen Patriarchats für die Stadt Jerusalem mußte bei diesem Umfang seiner Operationen sehr groß sein. Der Hausbesitz umfaßte ganze Häuserblocks in den Hauptgeschäftsstraßen der Stadt, so daß tatsächlich ein großer Teil der Kaufleute dem Patriarchat „zinspflichtigu war. Für die griechisch-orthodoxe Gemeinde in Jerusalem aber bedeutete das über so große Revenuen verfügende Patriarchat mit seinen zahlreichen Schulen einen wirtschaftlichen Rückhalt erster Ordnung, insbesondere so lange, als nicht der Stadt Jerusalem durch von außen her neu auftretende Faktoren neue wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet wurden. „Wenn nicht die materielle Fürsorge der ,Brüderschaft vom Heiligen Grab' gewesen wäre, dann gäbe es keine orthodoxen Christen in Palästina", wird von griechischer Seite selbst bezeugt.8) Der Eindruck, den man somit aus all diesen Quellen erhält, ist überraschend. In allen Konfessionen war ein ganz erheblicher Teil der Angehörigen, mitunter die überwiegende Mehrheit, vom Kapitalimport ohne RückZahlungsverpflichtung abhängig. Die Summen, um die es sich handelte, waren für eine Stadt von der Größe Jerusalems beträchtlich. 7) „The inquirer into the affairs of the Church of Jerusalem lqarns, at first with incredulity and finally with con,cern, that is has been the practice for prominent members of the Brotherhood of the Holy Sepulchre during the pasfc iwo generations to amass considerable fortunes out of the personal offerings of pilgrims; that these fortunes if not speht or disposed of inthe lifetime of those who aquired them, have devolved at ttoeir daaths on the Fraternity; that members of the Fraternity have been permitted to invite subseriptions from correspondents among the pious public in othejr Orthodox countries notably in Russia, and that the Brfothers thus collecting money have been under no proper obligitation to account fo»r it." (Report of the Commission appointed by the Goverment of Palestine to in(quire into the affairs of the Orthodox Patriarchat of Jerusalem etc., Oxford 1921, S. 234.) 8) Papadopoulos, History of the Church of Jerusalem, S. 467.