Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Der wirtschaftliche Aufbau der Stadt Jerusalem
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 442 (sequence 6)
- Language
- German
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ten vor dem Kriege zum größten Teil aus den Spenden der Pilger und Angehörigen der Kirche in Rußland, Griechenland und anderen Ländern Osteuropas, aus großem Landbesitz in Bessarabien, dessen Erträgnisse dem Patriarchat gestiftet waren, und städtischen Hausrenten in Palästina. Die Einnahmen des Patriarchats betrugen 1913/14 (ohne Darlehen) zirka 60.000 Pfund, die Ausgaben nahezu 70.000; von den letzteren entfiel der größte Teil auf die Institutionen in Jerusalem. Der Krieg hat die Verbindungen der griechisch-orthodoxen Institutionen mit dem wichtigsten Herkunftsland der Gelder (Rußland) unterbrochen und infolge der andauernden hohen Ausgaben und der Anhäufung der Zinslasten, die immer schon vorhandene Schuldenlast auf nicht weniger als 636.000 Pfund anschwellen lassen. Ohne Zinsen betrugen 1919/20 die Jahresausgaben allein gegen 70.000 Pfund, während weitere 30.000 für Zinsen fällig waren. Die Einnahmen dagegen erreichten damals nur 17.000 Pfund. Der Bankrott des Patriarchats konnte nur durch das Eingreifen der Regierung vermieden werden, die mit einem Moratorium zu Hilfe kam und eine Finanzkommission einsetzte, um die Finanzen zu kontrollieren und die Schulden allmählich durch Äbstoßung von Grundbesitz zu tilgen. Die Entstehung einer so großen Schuld angesichts eines sehr beträchtlichen Vermögens, dessen Wert auf mehrere Millionen Pfund geschätzt wurde, ist nicht allein durch das Anwachsen der Zinsverpflichtungen zu erklären; natürlich hat auch das Patriarchat zur Deckung laufender Ausgaben seine Zuflucht zur Beleihung der künftigen Einnahmen unter den üblichen Wucherzinsen genommen. Für das Anschwellen der Schuld war jedoch weit mehr die Tatsache verantwortlich, daß der griechische Klerus im Laufe der Jahre die eingehenden Mittel für den Erwerb von Boden und Häusern verwendete, so daß ihm noch bei Kriegsende in- und außerhalb Jerusalems eine Reihe sehr wertvoller Grundstücke gehörten. Es darf allerdings bezweifelt werden, ob die Käufer der in den Sechziger jähren erworbenen Böden sich vorgestellt haben, daß diese Bodenkäufe einmal im Zusammenhang mit der städtischen Kolonisation der Zionisten das älteste Patriarchat der Christenheit vor dem Bankrott retten würden. Natürlich sind bei der Sammlung und Verwaltung so großer Beträge auch schwere Mißbräuche vorgekommen. Der Bericht der von der Regierung ernannten Untersuchungskommission betont, wie überraschend die Feststellung dieser Mißbräuche innerhalb einer so ehrwürdigen kirchlichen Administration gewesen