Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1931)
- Article
- Der wirtschaftliche Aufbau der Stadt Jerusalem
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 439 (sequence 3)
- Language
- German
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düngen ist die Ueberweisung von Geldmitteln speziell für die z|»3^ jüdische Bevölkerung zu einem System ausgebildet worden, das nicht nur für die Unterhaltung der Bedachten selbst, sondern auch als Faktor im Wirtschaftsleben der Stadt von erheblicher Bedeutung wurde. Die Sicherheit, mit der die Ueberweisungen erwartet werden durften, führte unter anderem bald dazu, die künftigen Einnahmen durch nichtjüdische Geldleiher zu bevorschussen. Bereits im Jahre 1854 erreichte zum Beispiel die so entstandene Schuld der Chalukaverwaltung einen Betrag von nicht weniger als 15.000 Pfund, eine für damalige Verhältnisse außerordentlich hohe Summe. Natürlich mußten die Darlehen oft verlängert werden und so ging von den Ueberweisungen immer von vorneherein ein erheblicher Betrag für die Verzinsung, respektive Tilgung der aufgenommenen Darlehen ab. Die einlaufenden Mittel kamen nur zum Teil automatisch, das heißt ohne daß ihretwegen direkte Bemühungen unternommen wurden, regelmäßig nach Jerusalem. Durch die „SchIi' chim", die beglaubigten Delegierten der Kollelim, mußte, periodisch wiederkehrend, im Auslande eine lebhafte Sammeltätigkeit entfaltet werden, wobei es natürlich später vielfach zu schweren Mißbräuchen kam. Die Summen, die von den Delegierten aufgebracht würden, waren oftmals sehr groß. So wird berichtet, daß Rabbi Rachmim' Franko im Jahre 1869 bei seinem Aufenthalt in Paris, wohin er gesandt wurde, um ein verpfändetes Grundstück der Gemeinde auszulösen, in kurzer Zeit die erforderlichen 25.000 Francs beisammen hatte.2) Am Anfang des Jahrhunderts waren die nach Jerusalem fließenden Beträge natürlich noch geringer gewesen. Immerhin sind aber im Jahre 1814 bereits über 100.000 Piaster3) nach Jerusalem geflossen. Die Kaufkraft dieses Betrages läßt sich vielleicht daraus ermessen, daß im Jahre 1806 ein Kalb 33, ein Hammel 12, ein Esel 15 bis 50, und ein Rottel Olivenöl 3 Piaster gekostet hat.4) Mit der Steigerung der Preise und dem materiellen Aufschwung der Juden in Europa erhöhten sich auch die Geldsendungen nach' Palästina. Die Quoten, die auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung entfielen, wechselten mit dem Umfang der Jahreseingänge und der Zahl der zu unterstützenden Personen. Für das Jahr 1905 wird von 2) Luncz, Jerusalem, L, Wien, 1882, S. 37. 3) Luncz, Jerusalem, XIII., Jerusalem, 1919, S. 215. 4) Tobler, Denkblätter aus Jerusalem, 1853, S. 227.