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Palästina · 1931-12-01 · Heft 12 (Dezember 1931) · p. Seite 438

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Journal
Palästina
Volume
14 (1931)
Issue
Heft 12 (Dezember 1931)
Article
Der wirtschaftliche Aufbau der Stadt Jerusalem
Date
1931-12-01
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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438 Setzungen wirtschaftlicher Entwicklung, wie Bodenschätze, reichliche Wasserverhältnisse, waren gleichfalls nicht gegeben. Trotzdem war die Stadt seit altersher eine volksreiche Siedlung, so daß die Frage nach den wirtschaftlichen Grundlagen der Existenz ihrer Bewohner doppeltes Gewicht erhält.1) Zwar bestehen im wirtschaftlichen Aufbau der Stadt gewisse Aehnlichkeiten mit anderen kirchlich-geistigen Zentren. Jerusalem hat wie diese den Charakter einer Konsumentenstadt. Jedoch fehlten in Jerusalem bis nach dem Kriege zum Unterschied von anderen strukturell ähnlichen Konsumtionszentren Groß- und Luxuskonsumenten, wie sie durch die Existenz von weltlichen und geistlichen Fürstenhöfen oder Verwaltungszentren großen Stils bedingt sind. Ebenso fehlen, zum Unterschied von sogenannten Rentnerstädten Rentnerschichten und Schichten führender industrieller und kommerzieller Unternehmer, die ihre im Lande verstreuten Unternehmungen von der Hauptstadt aus leiten oder hier ihre Revenuen verzehren. Dagegen haben sich, von der religiösen Bedeutung der Stadt angezogen, zahlenmäßig starke und sozial deklassierte Schichten in ihr niedergelassen, die auf jede wirtschaftliche Tätigkeit verzichteten, in dem Bewußtsein, daß die Tatsache ihrer Niederlassung in Jerusalem ihnen einen Anspruch auf arbeitsloses Einkommen begründete. Ein erheblicher Teil der heutigen jüdischen Bevölkerung der Stadt ist unter dieser Voraussetzung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Jerusalem gekommen; der Zustrom dieser rein konsumtiven und meist vermögenslosen Elemente dauerte bis zum Kriege an. Die Mittel für den Unterhalt dieser Schichten flössen vom Ausland her, überwiegend in Form der Chaluka ins Land. Die Einrichtung der Chaluka ist sehr alt. Die Tradition, das Heiligtum in Jerusalem und die dort Beschäftigten von allen Enden der Welt mit frommen Gaben zu versorgen, ist für einen Teil der Bevölkerung Jerusalems beibehalten worden, auch nachdem der zweite Tempel und die Priesterschaft nicht mehr existierten. Formen und Umfang dieser Versorgung wandelten sich im Laufe der Jahrhunderte entsprechend der wirtschaftlichen Lage der Juden in den Ländern der Diaspora und ihren Verbindungsmöglichkeiten mit Palästina. Mit der starken Einwanderung der Juden im 19. Jahrhundert und der Entwicklung geordneter Schiffsverbini) Einwohnerzahl 1922: 61.600, davon 34.000 Juden; 1929: 86.000, davon 53.300 Juden (Statistisches Handbuch für Palästina, 1930; S. 35).

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