Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 414 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379892-2379898-2394211--12762-2394387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
binationalen Staates vermindert. Aber abgesehen von solchen kleineren Einwendungen, die man bei einer exakten Prüfung machen müßte, muß offen anerkannt werden, daß Arlosoxoffs Rede einen gewaltigen Fortschritt bedeutet. Fraglich ist nur, ob sich darin eine Gesamtmeinting der Exekutive ausdrückt. Peinlich ist, daß die bürgerlichen Koalitionsparteien innerhalb der neuen Exekutive sich in Palästina in Protestresolutionen gegen Arlosoroffs Ansichten wandten. Zunächst muß man abwarten, ob die Palästina-Exekutive Mittel und Wege findet, um die von Arlosoroff entwickelten Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Idee einer Verständigung mit der arabischen Welt gewinnt gerade jetzt immer größere Aktualität, da jetzt bereits selbst dem politisch Unreifsten unter den Zionisten zu dämmern beginnt, daß die Araber eine Macht sind, mit der man zu rechnen hat. Die arabische Bewegung leidet zwar infolge der allgemeinen Weltkrise heute gleichfalls unter Zersetzungserscheinungen, aber die Tatsachen im Vorderen Orient drängen selbst* immer wieder auf die Lösung des arabischen Problems hin. Die Unabhängigkeitserklärung des Irak, der bald eine ähnliche Maßnahme Frankreichs in Syrien folgen wird, wird in Zusammenhang gebracht mit dem nie ganz eingeschlafenen Gedanken einer arabischen Föderation, der arabische Nationalismus modernisiert sich immer mehr, eine besser gebildete Jugend wächst heran und die europäischen Mächte verlieren zunehmend an Prestige. In Palästina hat der äußerst energische Mufti von Jerusalem es verstanden, den Gedanken des Ausbaus Jerusalems zu einem moslemischen Zentrum in außerpalästinensischen moslemischen Kreisen und anscheinend auch in englischen Kreisen zu lancieren. Für den 7. Dezember ist ein moslemischer Kongreß nach Jerusa- 1 e in einberufen, der eine größere Bedeutung bekommen dürfte als man ursprünglich annahm, denn auch die ägyptische Regierung hat sich nunmehr offiziell der Bewegung angeschlossen. Die indischen Moslems, die infolge der eigentümlichen Verhältnisse Indiens eine überragende Bedeutung für England haben, sind gleichfalls beteiligt, obwohl man bisher schwer durchschauen kann, ob die propalästinensische moslemische Propaganda, die der indische Führer Schaukhat Ali treibt, nur dessen persönliche Sache ist oder von anderen moslemischen Indern gebilligt wird. Die Vertreter der Jewish Agency hatten Gelegenheit, anläßlich der indischen Round Table-Konferenz in London mit verschiedenen Vertretern der indischen Moslems Fühlung zu nehmen und auch mit Gandhi hatte Herr Sokolow eine Unterredung. Obwohl natürlich über diese Besprechungen nichts bekannt ist, hat man doch den Eindruck, als ob der eine Zeit lang von Schaukhat Ali propagierte Plan, das Palästina-Problem als politische Kompensation zu einem Gegenstand der Round-Table-Konferenz zu machen, endgültig begraben wäre. Die Inder haben mit ihren eigenen Angelegenheiten viel zu viel zu tun, um neue Komplikationen durch Hereinziehung fremder Interessen riskieren zu können. Auch in christlichen Kreisen Palästinas macht sich übrigens die Abneigung gegen die panislamischen Pläne offen Luft. Schaukhat Ali, der als Verkünder der Idee einer englisch-moslemischen Alliance nach Palästina kam, hatte zum Teil eine sehr schlechte Presse, zurna] da erst kurz zuvor die palästinensischen Araber scharfe Zusammenstöße mit der britischen Polizei in Nablus gehabt hatten. Bei allen Vorgängen in der arabischen Welt kann man schwer beurteilen, wie weit konkrete politische Gestaltungen und klare politische Absichten vorliegen; aber daß diese in Gärung begriffene arabische Welt ein Machtfaktor ist und jedenfalls von