Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 413 (sequence 2)
- Language
- German
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Agency, Herr Sokolow und Brodetsky, hatten Unterredungen mit dem Kolonialminister Thomas und mit den Unterstaatssekretären Sir Robert Hamilton und Malcolm Mac Donald, sowie mit anderen Persönlichkeiten, so daß ein Kontakt zwischen Jewish Agency und englischer Regierung auch in dieser Uebergangszeit hergestellt werden konnte. Das Schicksal des Landentwicklungsplanes, auf dem die Palästinapolitik der englischen Regierung für die nächsten Jahre aufgebaut war, ist infolge der finanziellen Lage ungewiß geworden, denn dieser Plan setzt die parlamentarische Genehmigung einer Anleihe von 21/2 Millionen Pfund voraus. Der Landentwicklungs-Direktor French soll bekanntlich seinen Bericht bis 31. Dezember der Regierung vorlegen. Es trennen uns von diesem Termin nur noch wenige Wochen, und trotzdem sind bisher die vorgesehenen Hilfsfunktionäre, nämlich der juristische Beirat, sowie die Beiräte der beiden Parteien, Juden und Araber, nicjit ernannt worden. Juden und Araber haben die Ernennung abgelehnt, weil das Programm des Laindentwicklungsplanes nicht ihren Forderungen gemäß abgefaßt war; die Ernennung des juristischen Beirats scheint auf Schwierigkeiten personeller Natur gestoßen zu sein. Es ist nun zu befürchten, daß French auf Grund der von ihm gemachten Erhebungen nichts anderes machen wird, als Vorschläge über die Ansiedlung einer Anzahl landloser Araber zu erstatten, ohne daß das auch von Hope Simpson stark unterstrichene P/roblem der Intensivierung der Wirtschaft überhaupt in Angriff genommen wird. Die Jewish Agency steht auf dem Standpunkt, daß im Sinne des Mac Donaild-Briefes die Kontrolle von Bodentransaktionen nur im Zusammenhang mit dem Landentwicklungsplan zulässig ist und daher vertagt werden muß, w£nn dieser Plan verschoben wird, Die politischen Prinzipien der neuen Exekutive der Jewish Agency wurden seit dem Kongreß eigentlich nur einmal in entschiedenerer Weise formuliert, nämlich in einer Erklärung, die der politische Referent der Palästina-Exekutive, Dr. Arlosoroff, in Jerusalem vor Vertretern der Presse abgegeben hat. Diese programmatische Kundgebung gipfelte in zwei Forderungen, einerseits Wiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen zur Regierung und zur britischen Beamtenschaft, andererseits Versuch einer geistigen Abrüstung gegenüber den Arabern und psychologischen Vorbereitung einer späteren Verständigung. Man muß anerkennen, daß Arlosoroff seine Anschauungen mit großem persönlichen Mut entwickelt hat, denn er mußte damit rechnen, daß der Kreis, an den seine Rede gerichtet wajr, nur in sehr geringem Maße mit ihm übereinstimmt. Man muß bedenken, daß die erbitterten Kämpfe des Kongresses vorhergingen, auf dem eine Mehrheit, die freilich dann nicht den Mutt zur Uebernahme der Verantwortung fand, isich für Anschauungen einsetzte, die — ganz abgesehen von dem Endziel des Ju&ehstaates — eine „Politik der starken Hand" gegenüber England und gegenüber den Arabern forderte. Diesem Umstand muß man es zugute halten, wenn Arlosoroff in seiner Rede sich stellenweise bemühte, seinen Hörern das Programm des „binationalen Staates" dadurch akzeptabel zu machen, daß er seine Vorteile für die jüdische Seite etwas überspitzt formulierte. Denn wenn er den Gedanken der „Parität" von Juden und Arabern dahin interpretiert, daß bereits unter den heutigen Umständen alle Einrichtungen Palästinas, alle finanziellen Aufwendungen usw. nach dem Prinzip 50: 50 zwischen Juden und Arabern verteilt werden müssen, so ist dies nach unserer Meinung eine formalistische Auffassung, die nur neue Illusionen schafft und den Verständigungsgehalt des Programmes des