Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Möglichkeiten der Privatwirtschaft
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 410 (sequence 9)
- Language
- German
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Bagdad an das Mittelmeer" und eröffnen damit eine weltwirtschaftliche Chance, wie sie in dieser Größe vielleicht nicht mehr da war seit der Eroberung des Mittleren Westens in Amerika in den 50er und 60er Jahren. Eine neue Welt tut sich da auf und gibt noch einmal dem Einzelnen, dem Pionier, Raum und Freiheit zur persönlichen Leistung. Die wirklich großen Möglichkeiten, die dort bestehen, das rechtzeitige Aufnehmen der Fäden, die planmäßige Durchdringung, das verlangt mehr als die Fähigkeit der Chance und der Anpassung: das verlangt Kapital und gegeschulten Unternehmergeist. Hier haben Sie eine ganz große Aufgabe für den westeuropäischen Zionisten und hier ist Platz, über die Möglichkeiten im Großhandel und der Industrie zu sprechen, die sich im Lande und seinen Nachbarländern bieten. Die eben skizzierte Eröffnung neuer Märkte vergrößert auch vor allem die Chance für den Großhändler. Er hat als Jude ein gewisses Prä, wenn er nur versteht, die Beziehung zu dem sefardischen Juden zu finden und zu pflegen, der überall im Orient genau so im Handel drin sitzt wie in Europa. Hier bietet die Kenntnis des Hebräischen einen guten Anhaltspunkt und in mancher Hinsicht würde dies noch mehr die des Französischen tun, die leider gerade in zionistischen Kreisen allzu sehr vernachlässigt wird. Mehr noch gilt alldies von der Industrie. Sie hat sich recht gut entwickelt und bisher alle Fährnisse überraschend gut überstanden. Wir hatten keine Zusammenbrüche, haben keine industrielle Arbeitslosigkeit und stellen auch in dieser Hinsicht einen Ausnahmefall dar. Aber mehr und mehr macht sich in unserer Industrie das Fehlen betriebstechnischer Schulung bemerkbar, die das Alpha und Omega der ganzen modernen Industrieführung ist. Die stille und besonders die tätige Beteiligung an palästinensischen Industrieunternehmungen stellt eine zwar nicht risikolose, aber sehr gute Chance kapitalistischer Betätigung in Palästina dar. Abgesehen davon existieren zweifellos jetzt schon neue Möglichkeiten des industriellen Aufbaues, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Schaffung eigener oder verbundener Absatzorganisationen, die sich keineswegs, wie das Beispiel Batas gezeigt hat, auf ein einziges Land zu beschränken brauchen. Die Levante-Messe in Tel-Aviv im nächsten April wird mancherlei zeigen, was sich da an Möglichkeiten anspinnt, und ich kann nur wünschen, daß möglichst viele Zionisten, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Vermögen oder ihre Existenz mit Palästina zu verknüpfen, diese Gelegenheit wahrnehmen, um sich persönlich ein Bild von den Chancen zu machen, die drüben bestehen, und neu auftauchen. Und noch etwas wäre zu wünschen, daß unsere Jugenderziehung mehr als bisher das begreift, was drüben möglich und erforderlich ist. Die einseitige Erziehungstendenz zur Landwirtschaft — deren Bedeutung hier ganz gewiß nicht auch nur angetastet werden soll — beraubt uns in wachsendem Maße des geschulten Nachwuchses, den wir zur Erfassung und Ausnutzung unserer Chancen benötigen, die wir allmählich verlieren wferden. Ist es zu glauben, daß es uns an geschultem Nachwuchs für unseren Export und Import mangelt, an gelernten Südfrüditenliändlern, an ausgebildeten Genossenschaftlern. Nicht» nur die Privatwirtschaft fühlt den Mangel ausgebildeter kaufmännischer Kräfte, auch die „Tenuwah" und der „Jachin" wissen ein Lied davon zu singen. Worauf es auch bei der Jugenderziehung ankommt, ist die Totalität