Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Möglichkeiten der Privatwirtschaft
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 409 (sequence 8)
- Language
- German
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recht gute Existenz aus der Milch Versorgung Tel-Avivs bestreiten. Auch die Geflügel Wirtschaft ist ein recht rentabler und besonders wann sie sich mehr auf die Eierproduktion als auf die Aufzucht verlegt, ein Beruf, der auch von Laien ausgefüllt werden kann, wenn er langsam und vorsichtig anlfängt. Beide Berufe können oder sollen in der Näftie der Stadt betrieben werden und bieten so, speziell wenn sie anfangs noch kleinen Umfang haben, die erwünschte Möglichkeit zu einem Nebenverdienst, besonders der Frau neben dem Arbeitsverdienst des Mannes. Zu welcjier Bedeutung diese Kleinwirtschaft im Nebenberuf für die Existenzsicherung des Einzelnen kommen mag, habe ich in meiner Untersuchung über Schchunath Borochov nachgewiesen. *) Wozu habe ich Ihnen Einzelheiten ganannt? Weil ich Ihnen zeigen wollte, daß es noch Chancen gibt und daß der offene Blick in Palästina noch manche Möglichkeiten finden wird, die er hier nicht mehr hat. Das trifft nicht nur für den Händler zu. Die fortschreitende Europäisierung des Landes gibt verschiedene Möglichkeiten. Als ich vor vielleicht acht Jahren der übermäßig aufgeblähten Buchhaltungsabteilung der Zionistischen Exekutive die Einführung der Durchschreibebuchhaltung vorschlug, wußte keiner im Lande, was das ist und es war auch kein Expert vorhanden, der die Umstellung hätte vornehmen können. Ich habe dann vor zwei Jajiren die erste Durchschreibebuchhaltung in Palästina eingeführt und schon fand siqh ein junger, frisch ins Land gekommener Akademiker, der Expert auf diesem Gebiete war und der jetzt langsam die Buchhaltungen des Landes modernisiert. Ich möchte sagen, daß ein oder zwei oder drei moderne Schaufensterdekorateure heute bei uns existieren könnten. Das Schaufenster im Lande europäisiert sich langsam, ebenso wie das ganze Land. Viel mehr derartiges mag es nodh geben. Zum Beispiel auf dem Gebiet des Druckgewerbes, der Reklametechnik, der Innendekoration, in allerhand Zweigen des Baugewerbes und der Installation usw. Niemand kann hundertprozentig Erfolg versprechen. In jedem Fall wird man anfangs und nicht immer nur für kurze Zeit Schwierigkeiten und manchmal sehr große Schwierigkeiten haben. Insbesondere als westeuropäischer, als deutscher Zionist, der in keiner Weise; sich auch nur annähernd so auf die Geschlossenheit des hinter ihm stehenden landsmannschaftlichen Kreises oder gar die Unterstützung durch seine zionistische Heimatsorganisation rechnen kann, wie das innerhalb des ostjüdischen oder amerikanischen Bezirkes in einer immer wieder verblüffenden Weise der Fall ist. Aber trotz alledem bleibt dem Unternehmer, bleibt vor allem dem jungen Manne etwas, was ihm hier immer mehr verloren geht oder längst verloren gegangen ist: die Chance. Dies um so mehr als wir keinen Grund haben, nur von Palästina selbst zu sprechen. Wenn wir auch leider keineswegs sagen können: „es wachsen die Grenzen", so dürfen wir doch schon sagen;, „es dehnt sich das Haus". Der tüchtige Unternehmer, der gelernte Fachmann ist keineswegs nur mehr auf Palästina allein angewiesen. Man hat bei der zionistischen Neigung zur Kannegießerei sehr viel über die politischea Konsequenzen der neuen Bagdad- Bahn und der Röhrenleitung gesagt und geschrieben. Die enorm wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben und die sich allerdings gegen uns kehren werden, wenn wir sie nicht zum guten Teil in die Hand bekommen, sind noch allzu wenig beachtet worden. Die Engländer „verlegen *) Vergl. den Artikel darüber in Nr. 1/2 d. Bsl.