Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Article
- Möglichkeiten der Privatwirtschaft
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 408 (sequence 7)
- Language
- German
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Ware, die man in Europa angeboten bekommt. Das gleiche trifft für den Herrn zu. Die neue Entwicklung zur fertig konfektionierten Qualitätsware, die in Europa das ganze Gebiet der Herrenkleidung erfaßt, würde auch in Palästina und den Nachbarländern durchaus guten Chancen begegnen. Entscheidend ist dabei, daß die Einkaufsorganisation nicht zu kostspielig wird, das heißt, daß die Verkaufsorganisationen drüben sich möglichst eng an eine hidsige zuverlässige Einkaufsorganisation anlehnen kann, oder aber, daß man versteht, auf die Fabrikation drüben einen solchen Einfluß zu gewinnen, daß sie* imstande ist, in Qualität, Gesohmack und Preis mit der neuen europäischen Qualitätsmassenproduktion zu konkurrieren. Ein anderes Beispiel: Als iqh mit einem der Inhaber eines der größten englischen Kaufhauskonzerne über die Möglich«* keit der Errichtung kleinerer Warenhäuser od&r Einheitspreiskaufhäuser in Palästina sprach, machte er mich darauf aufmerksam, daß fast alle Verkaufspreise, die er geprüft hätte, beträchtlich ■ über jenen lagen, zu denen er imstande sein würde, im Lande zu verkaufen. So daß er zum Schluß kam, daß die Errichtung entsprechender Läden wahrscheinlich nicht nur ein gutes Geschäft verheiße, sondern daß man damit auch den Pireisstandard des Landes und damit die Kosten der Lebenshaltung nicht unbeträchtlich herunterdrücken könne. Ich könnte eine Fülle von Anregungen für Detailgeschäfte geben, die jetzt im Lande am Platze sind: moderne Haus,haltsgeschäfte, die den sozialen und technischen Bedürfnissen moderner Haushaltsführung entgegenkommen, etwas über das im Lande sehr viel gesprochen wird, von dem sich abc'r die meisten Frauen in Palästina nur deshalb schwer eine richtige Vorstellung machen können, weil sie die meisten Dinge nur aus der Beschreibung kennen lernen. Oder um ein ganz anderes Gebiet zu kommen, eine richtige Kunsthandlung, wenn sie guten und modernen Wandschmuck bringt, sich auch vor Kitsch nicht fürchtet und Snobismus vermeidet. So etwas vermag sich genau so durchzusetzen wie sich das moderne Kunstgewerbe durchgesetzt hat und wie es heute im Lande fast Mode geworden ist, sich seine Möbel bei einem oder zwei oder drei guten Kunsttischler machen zu lassen. In Jerusalem und wahrscheinlich auch noch anderswo wäre ein wirklich elegant geführtes koscheres Restaurant am Platz. Und der große Erfolg, den eine allerdings erstklassige- Damenschneiderin in Jerusalem aufzuweisen hat, die im Lande eine Art Monopolstellung einnimmt, beweist klar, daß auch noch zwei oder drei Konkurrentinnen Existenzmöglichkeiten hätten, vorausgesetzt allerdings, daß sie höchstwertig sind. Ein großes englisches Lebensmittelgeschäft läßt ein- oder zweimal im Jahre einen englischen Herrenschneider ins Land kommen, der schon seine feste Kundschaft hat. Beweist das nicht, daß es Platz für ein erstrangiges Herrenkleidergeschäft gibt? Jede einzelne dieser Chancen besteht im besten Falle nur ein paar Mal und läßt sich nicht multiplizieren. Es kommt darauf an, sich eine Art Monopol zu verschaffen, sei es durch Qualitätsarbeit — vergleiche die Damenschneiderin oder den Kunsttischler — sei es durch billigen Preis, durch guten Geschmack, durch leistungsfähige Organisation. Darum wird der Kaufmann gut daran tun, sich die Alleinvertretung bestimmter Marken zu verschaffen usw. Auch in der Landwirtschaft gibt es Möglichkeiten der privatwirtschaftlichen Existenz auch außerhalb der Orangenzucht und auch für Unternehmer, die nicht das für einen P#rdess erforderliche Kapital o!der die Zeit haben, auf sein Reifwerden zu warten. Zwar ist die Rentabilität der Milchwirtschaft umstritten, aber um Tel-Aviv herum sitzen Dutzende von Kuhhaltern, die eine